Vertrauen gewinnen

    • Vertrauen gewinnen

      Hallo zusammen!

      Letztes Jahr im August bekam ich Zuwachs in meine Herde und halte seitdem vier Zwergziegenmönche.
      Die zwei Neulinge kommen aus einer großen Herde, aus ihrem Familienverband. Auf dem Hof dort war der maximale Kontakt ein Füttern aus der Hand, gestreichelt wurde dort eher weniger, wenn der Mensch kam ging es eher um medizinische Versorgung. Es steckt also den beiden im Blut, eher auf Abstand zu gehen.
      Mit meinen ersten Ziegen sah das ganz anders aus, sie lassen sich umarmen, kämmen und folgen uns auf Schritt und Tritt. Deshalb konnten wir auch immer sehr schöne Spaziergänge machen.
      Das können wir nun leider nicht mehr machen, da die Kleinen keinen Bezug zu uns haben, außer Futter, sie lassen sich nicht anfassen, außer beim fressen flüchtig, und vertrauen uns nicht genug. Wir haben schon erste Versuche unternommen, einen Ausflug zu machen, auf die Wiese nebenan, aber die kleinen laufen in alle Richtungen, wir müssen wie Hütehunde umherlaufen um alle zusammenzuhalten. Veeti, der schwächste im Rang, ist besonders vorsichtig. Wenn uns ein Hund entgegenkommt, dann würde er sicherlich einfach wegrennen. Ich möchte das irgendwie schaffen mit allen vieren wandern zu gehen, aber ich weiß nicht, ob da die Hoffnung verloren ist. Ich habe ihnen erstmal Zeit gegeben, aber das Verhältnis hat sich nach einem Jahr kaum geändert.
      Vielleicht weiß jemand Rat.
    • Hi,
      also ich habe letztes Jahr zwei Ziegen bekommen, die total ängstlich waren und überhaupt keinen Bezug zu Menschen bzw. auch anderen Ziegen hatten. Außerdem waren sie extrem verfettet. Wir haben sie nach kurzer Quarantäne auf die Weide zu den anderen gelassen. Sie sind direkt auf die Felsen "geflohen". Erst nach einigen Tagen sind sie langsam da runter geklettert. Nach und nach haben sie sich in die Herde eingegliedert und auch an uns gewöhnt.
      Heute sind sie schön schlank, gesund und total aufdringlich. Sie lieben es gestreichelt zu werden. Ich denke, dass die Leckerlies, die wir ihnen gefüttert haben ein großen Teil dazu beigetragen haben. So haben sie vertrauen zu uns gefunden.

      Gruß
    • Ich denke eher, dass die Ziegen sich erst in die Herde eingliedern sollten. Durch die anderen Ziegen lernen sie einem dann zu vertrauen. Wahrscheinlich werden sie, wenn sie von der Herde getrennt sind eher unsicher.
      Allerdings dauert es grundsätzlich einige Jahre bis man sich gegenseitig ganz vertrauen kann. Einige Ziegen kann ich frei laufen lassen und muss sie nur rufen. Andere würde ich nicht ohne Leine aus der Weide führen (Neuzugänge).
      Eine Ziege, die immer sehr unsicher sich gegenüber mir verhalten hatte und mich nie näher als eine Armlänge an sich herangelassen hatte, ist jetzt nach ihrer ersten Geburt sehr zutraulich geworden. Dabei war ich bei der Geburt nicht dabei. Sie hat einfach gemerkt, das ich mich um sie und ihre beiden Kleinen sorge.

      Gruß
    • Ja, das ist auch mein Plan. Diesen Winter über kommen die Ziegen zu uns ans Haus. hier ist eine große alte Scheune. Da will ich mal einen Bereich abtrennen und die kleinen separat füttern. Nätürlich sind die großen sonst immer im Weg, sie sind ja auch die Ranghöheren und ganz schnell eifersüchtig.
      Ich versuche so den engeren Kontakt zu den kleinen herauszufordern. Wir haben auch schon mit Leckerchen aus der Hand gearbeitet, die nehmen sie auch, aber immer auf Abruf, ich möchte, dass ihre Furcht sich legt. An manchen Tagen kann man sich ihnen nicht mal einen Meter nähern.

      Achso, ja, das könnte natürlich auch sein. Sie rangeln schon noch sehr um die Rangfolge.
    • Man sollte auch immer schauen, das man es sich nicht mit der Chefin in der Herde vermiest. Einige Ziegen sind sehr eifersüchtig und finden es nicht gut wenn man andere bevorzugt oder seperat sich mit ihnen beschäftigt. Es ist sehr wichtig, das man die Leitziege auf seiner Seite hat.
      Meine Chefin (Elvira oder auch Elli gennant) ist mir absolut treu und ich ihr auch. Sie bekommt immer eine besondere Beachtung von mir. Ebenso die Älteste in der Herde (Kiki,18), sie war früher die Chefin und hat immer noch eine mächtige Stellung in der Herde.
      Es ist wichtig die Hierachie in der Herde zu kennen um das Vertrauen aller Tiere zuerlangen. Allerdings kann es auch sein, dass man sich mit der einen oder anderen Ziege nie verstehen wird. Dann muss man sich halt so arrangieren.

      Gruß
    • Wir haben zu unserem Leitbock ein sehr enges Verhältnis. Er ist schon eine kleine "Diva" wenn es darum geht, dass mal jemand anderes gestreichelt wird, aber da wir meist zu zweit sind, kann man das gut aufteilen. Natürlich versuchen wir immer, niemanden zu bevorzugen. Ich denke auch, die Rangordnung ist noch längst nicht ausgefochten. Nächstes Jahr auf der neuwn Weide wird sich das sicher alles noch viel weiter entwickeln. Ich versuchs bis dahin immer wieder mit positiven Erinnerungen, die die kleinen prägen sollen.
    • Dass die Ziegen sich Dir nähern, wenn Du mit Futter kommst ist schon ein gutes Zeichen. Darauf solltest Du aufbauen. Allerdings wird es sehr viel Zeit brauchen, bis die beiden wirklich handzahm sind. Dennoch ist es nicht hoffnungslos. Die zwei müssen sich dran gewöhnen, dass fressen und getreichelt werden miteinander zu tun hat. Das heißt, Du sitzt im Stall und die Schüssel mit Futter steht neben Dir. Am Anfang nur kurze Berührungen, danach lässt Du sie nah bei Dir auffressen. Das heißt aber auch, dass Du viel Zeit investieren musst. Täglich zweimal üben sollte Minimum sein. Und bitte nur wenig Getreide o.ä., die beiden sollen ja nicht verfetten. Übrigens, mit Leckerli aus der Hand würde ich persönlich nicht üben. Damit hat man alsbald verfressene Ziegen, die bei jeder Handbewegung, rascheln ect. nach Futter gieren und arg aufdringlich werden können. Ist bei den beiden jetzt vielleicht nicht vorstellbar, kann aber passieren. Viel Spaß und Erfolg!


      Lg, Jassi
    • Leckerli sind bei mir hin und wieder mal eine Fenchelknolle oder eine Möhre, ansonsten nir das, was die Natur gerade anbietet. Ich habe ja auch schon so viel Vertrauen erreichen können, dass sie nah bei mir fressen, aus der Hand. Ich habe den Abstand des Futters zu meinem Körper dabei einfach immer weiter reduziert. Das klappt alles prima. Sogar am Gesicht schnuppern ist ok. Also Nähe ist schon da. Problematisch ist es nur, wenn die älteren in Sicht sind. Dann heißt es natürlich Flucht.Ist ja auch verständlich.
      Worum es mir geht ist auch das Anfassen, und bei Stress rennen sie vor uns weg, da bedeuten wir noch mehr Stress. Anfassen wollen sie partout nicht. Also Veeti gar nicht, Soni lässt sich über den Rücken streichen, läuft dabei aber weg. Er ist unvorsichtiger geworden, aber es ist eher ein Dulden als ein Gefallen bzw. tolerieren.

      Was mich auch traurig macht, ist, dass der Fortschritt schnell wieder abklingt wenn es mal an einem Tag nicht geklappt hat mit dem Handfüttern. Dann ist alles wieder wie vorher..
    • Hallo,

      ich habe (noch) keine Ziegen, lese mich ber seit Längerem ein. Ziegen sind doch clever, kannst du nicht mal versuchen (und ja, jetzt dürfen alle auf mich einprügeln) mit was ganz Leckerem zu clickern ? Könnte mir vorstellen, daß das klappt. Mit Speck fängt man Mäuse.
      Zuerst würde ich erreichen wollem, daß sie ein "Ziel" (Targetstock, Tennisball auf Stock) anstubsen um ein Leckerli zu bekommen, wenn das klappt Leckerli in die Hand,
      Faust machen und die Faust als "Ziel" benutzen.
      Also bei Wildlingen (Katzen) klappt das gut (mir ist klar, daß Ziegen keine Katzen sind). Allerdings sind Katzen auch Charaktertiere, bei der einen geht das innerhalb von zwei/drei Tagen, die/der Andere braucht Wochen.

      LG
      Rea
    • Jassi schrieb:

      Übrigens, mit Leckerli aus der Hand würde ich persönlich nicht üben. Damit hat man alsbald verfressene Ziegen, die bei jeder Handbewegung, rascheln ect. nach Futter gieren und arg aufdringlich werden können. Ist bei den beiden jetzt vielleicht nicht vorstellbar, kann aber passieren. Viel Spaß und Erfolg!


      Lg, Jassi
      sehe ich auch so, denke klickern verstärkt das
      Viele Grüße
      Haarriss
    • Hi,

      man hat irgendwie immer ein Problem. Zuerst stellt sich mir die Frage, ist es besser, die Tiere eher scheu zu lassen (was ja natürlich wäre) und sie bei jedem zwingend notwendigen Kontakt (angefasst werden) , wie Klauenpflege, Wurmkur, Tierarzt,... Stress auszusetzen (einfangen, festgehalten werden, angefasst werden, da sehe ich Stress und Verletzungsgefahr).
      Oder ist es besser sie zu "zähmen" und dann das Risiko zu haben, das sie zu aufdringlich werden.

      Mit Training kann man ja üben, das angefasst werden nichts schlimmes ist. Mann kann ja z. B. einüben, das ein Fuss auf einen Gegenstand
      gestellt wird ( Stein?). Wie man das Leckerli allerdings geben kann, wenn man es nicht aus der Hand macht weiss ich nicht.
      Mir ging es bei dem Vorschlag um das Vertrauen. Das entsteht dann nämlich. Die Ziege soll ja lernen, daß der Mensch kommt zum trainieren.
      Belohnung gibt es nur, wenn der "Trick" klappt. Also nicht einfach so, für`s nur anwesend sein.
      Wenn die Ziege das verstanden hat (nämlich, das sie was tun muss für`s Leckerli), wird sie nicht mehr so ängstlich sein (vielleicht hat sie ja Spass am lernen). Denn dadurch entsteht Vertrauen. Die Ziege wird lernen, Mensch -> üben -> mache ich mit -> Leckerli -> Mensch nicht schlimm.

      Ich weiss nicht, ob Ziegen nicht so clever sind, daß sie anderenfalls nicht lernen können : Mensch -> einfangen -> Stress -> gefangen sein oder Klauen schneiden. Könnte mir vorstellen, daß Ziegen das "lernen" können und dann schon einen gewissen Abstand zum Mensch halten oder gleich ganz wegrennen. Es ist echt schwierig, einen Mittelweg zu finden !

      LG
      Rea
    • Haarriss schrieb:

      sehe ich auch so, denke klickern verstärkt das
      Das ist falsch. Beim Clickern verringert man, je nach Trainingsfortschritt, die Belohnungs ( leckerlie )rate, bis gar nicht mehr belohnt werden muss. Eine Seite die das gut erklärt ist spass-mit-hund.de Das dort Erklärte lässt sich auch auf Ziegen übertragen. Es werden dort auch Beispiele anderer Tierarten erklärt

      spass-mit-hund.de/clicker-welt…ustier-clicker-offensive/

      Scrollan schrieb:

      Was mich auch traurig macht, ist, dass der Fortschritt schnell wieder abklingt wenn es mal an einem Tag nicht geklappt hat mit dem Handfüttern. Dann ist alles wieder wie vorher..




      Niemand MUSS Clickern ( Dieses Thema wird oft emotional diskutiert und es gibt noch viel Unwissen über diese Methode ), aber die hier geschilderten Probleme sind damit gut anzugehen. Jede Methode ist o.k. solange sie dem Tier gegenüber fair ist. Judith Schmidt hier aus dem Forum trainiert ihre Tiere ohne Leckerlies.
      "Zeige ihnen einen roten Kometenschweif, jage ihnen eine dumpfe Angst ein, und sie werden aus ihren Häusern laufen und sich die Beine brechen.Aber sage ihnen einen vernünftigen Satz und beweise ihn mit sieben Gründen und sie werden dich einfach auslachen."

      Bertolt Brecht
    • Ich knüpf hier nochmal an. Mittlerweile sind die beiden ja schon etwas aufgeblüht! Sie lassen sich zwar immer noch nicht freiwillig anfassen, aber wir waren nun sogar schon mit Sonii und Chef einen ersten Spaziergang machen! Wir haben beiden schon die Leine angetan und sie beruhigend gehalten und gestreichelt. Jetzt im Winter im Warmen, mit Belohnung, um etwas abzulenken. Es war zwar stressig, aer ich denke, sie haben mehr positives aus dieser Situation mitgenommen als negatives. Da die Rangordnung nach wie vor noch nicht ganz geklärt ist, ist immer noch etwas Spannung in der Herde. Veeti, der niedirgste im Rang, fällt ganz schön hinten ab. Er hat auch Muskelmasse verloren, weil er sich gar nicht mehr anstrengt, zu springen, Er begnügt sich mit dem, was bei den großen runterfällt. Ich würde sein Selbstvertrauen gerne stärken. Habe ihn vom Rest seperiert, dadurch war er aber zu nervös zum üben. Ich weiß nicht so richtig weiter...
    • Ich habe einmal eine Ziege aus ganz üblen Verhältnisse zugeteilt bekommen. Damals dachte ich die wird nie so wie man sich das wünscht.Mit viel Geduld und leckeres konnte ich ihr die Angst nehmen,dann habe ich sie angefasst und versucht zu Streicheln aber die Ziege hat bestimmt wie lange der Kontakt dauert. Heute ist das meine Liebste Ziege die am liebsten immer bei mir wäre. Doch trotzdem ist es ein Tier, dieses woche erst ist sie ausgebuchst und hat sich nur schwer fangen lassen . Trotzdem denke ich wir haben ein gutes Verhältnis denn alles ist wieder super.
    • dass ist bei unseren ziegen auch so normal sind sie immer da und laufen mir sogar hinterher und manchmal wenn die es dann doch schaffen auszubüchsen(klexi schafft dass auch beim bauzaun) lassen sie sich kaum einfangen. Sogar mit leckerlis lassen sie sich nur schwer fassen aber ich denke sie wollen dabei jns nur verarschen #jubel#