Demenz bei Ziegen?

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    • Demenz bei Ziegen?

      Hallo,
      seit vielen Jahren nehme ich immer wieder sehr alte Ziegen bei mir auf. Sie dürfen ihren Lebensabend bei mir verbringen. Bis jetzt verlief alles immer Reibungslos. Die Alten Herrschaften sind gediegen, ruhig und machen keine dummen Sachen. Sie klettern nicht mehr, brechen nicht in die Futterkammer ein und legen sich in der Regel mit keinem mehr an.
      Nun habe ich seit 3 Jahren ein kastrierten Bock. Mittlerweile dürfte er 16 oder 17 sein. Seit Sommer bemerke ich, dass er zeitweise ein komisches Verhalten aufweist. Normalerweise ist er zahm und hört auf seinen Namen. Er liebt es gebürstet zu werden und wenn man ihn zwischen den Hörnchen krault, fängt er fast an zu schnurren. ;) Hat er aber diese Phasen, könnte man meinen, er ist in einer anderen Welt. Er reagiert nicht auf seinen Namen, rennt im Kreis und schüttelt den Kopf. Das dauert zwischen 2 Std und 2 Tagen. Der Tierarzt konnte nichts feststellen. In letzter Zeit kam es vor, dass er, wenn er eine Phase hatte, abgehauen ist und sich weit vom Stall entfernt hat. Ganz allein und in der Nacht.
      Er wirkt dann orientierungslos und ist rastlos. Er reagiert nicht auf seinen Namen noch auf sonst was. Und plötzlich ist er wieder der Alte. Wie wenn ein Schalter umgelegt wird, An und aus quasi.
      Die Ziegen sind regelmäßig geimpft und entwurmt. Werden altersgerecht ernährt und haben viel Auslauf.
      Gibt es Krankheiten die oft bei alten Ziegen vorkommen? Hat einer ähnliche Beobachtungen bei seinen alten Ziegen gemacht? Fehlt Ziegen im Alter ein Mineralstoff oder Spurenelement den ich zufüttern müsste? Wäre gut, wenn ich bald eine Lösung für meinen Ralf finde. Sonst ist er noch topfit.
    • Hallo,
      ich habe ein ca. 15jähriges Norsk Spaelsau Schaf, das ich für zeitweise dement halte. In Stresssituationen, z.B. Weidewechsel verliert sie völlig die Orientierung. Sie läuft nicht mit der Herde, sondern in die andere Richtung, landet im Zaun und schafft es nicht, zu den anderen zu laufen, auch wenn der Zaun weit offen ist und die anderen Schafe rufen. Sie kann aber hören und sehen und ist ansonsten fitt.

      Sie schafft es auch, mich durch ausdauerndes blöken dazu zu bringen, ihr das Heu auf die Wiese zu werfen, weil sie nicht gerne mit den anderen aus der Raufe frisst.

      Ich denke, es ist einfach eine Alterserscheinung und wir müssen damit leben.

      LG Susanne
    • Hallo Funny,
      das ist nicht sehr funny. Selbstverständlich gibt es bei Ziegen nahezu alle Kranbkheiten, die es beim Menschen gibt, meist allerdings unerforscht.
      Einige Fragen:
      Hat er Nasenausfluß?
      Kann er Nasendasseln gehabt haben oder haben?
      Wie sind die Augenreflexe in Anfallphasen?
      Wie ist die Hornhaut beschaffen, kann er blind sein oder Schübe in die Richtung haben (Vitaminmangel)?
      Wie sind die unteren Lidschleimhäute beschaffen? Sehr blaß, hellrosa, dunkelrosa?
      Wechselt er den Zeigersinn beim Kreisdrehen?
      Tempo? Bis hin zum Hecheln?
      Frißt er in solchen Phasen?
      Unterbricht er dann abrupt den "Anfall"? Wann käut er dabei wieder?
      Schläft er dann 2 Tage nicht?
      Schläft er sonst im Stehen?
      Habt Ihr versucht, in solchen Phasen Schreck auszulösen (2 Bretter flach aufeinander klatschen)?

      Ohne die Antworten abzuwarten, die vielleicht zu präziserer Diagnose führen könnten:
      den Begriff der "Demenz" hast Du schon gut gewählt, weil er ein weites Spektrum umgreift.

      Nach den bisherigen Angaben würde ich die Traberkranbkheit (Scrapie) ausschließen.

      Es gibt wahrscheinlich 4 Möglichkeiten:

      - einen irgendwo im Körper langsam wachsenden Tumor mit schon gestreuten Metastasen im Gehirn.

      - parasitären Larven-Befall (Ziege als Fehlwirt = Toxoplasma, Toxocara canis oder gatis und andere), die sich im Gehirn einkapseln und Toxine abgeben bzw.
      Druck auf Hirnareale ausüben, der zu den beschriebenen Auffälligkeiten im Verhalten führt bis hin zu "epileptischen" Anfällen.

      - Eiweißdegeneration und Plaque in zerebralen Gefäßen.

      - Vitaminmangel (B Vitamine)
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      "Wissen ist die einzige menschenwürdige Grundlage für ein Leben mit Tieren." Horst Stern
    • Hallo Piroschka,

      wow, was für eine Antwort. Ich versuche mal die Fragen so gut es geht zu beantworten.

      Hat er Nasenausfluß? Nein
      Kann er Nasendasseln gehabt haben oder haben? Entwurme regelmäßig, weiß ich nicht ob er die hat / hatte
      Wie sind die Augenreflexe in Anfallphasen? Muss ich beim nächsten mal nachschauen
      Wie ist die Hornhaut beschaffen, kann er blind sein oder Schübe in die Richtung haben (Vitaminmangel)? Er erscheint mir nicht blind, die Augen sind nicht getrübt oder haben Flocken drin. Der T-Arzt konnte nichts feststellen
      Wie sind die unteren Lidschleimhäute beschaffen? Sehr blaß, hellrosa, dunkelrosa? Nicht hell nicht dunkelrosa wirkt für mich normal
      Wechselt er den Zeigersinn beim Kreisdrehen? Weiß nicht mehr, denke ja.
      Tempo? Bis hin zum Hecheln? Als er damals im Sommer rumgerannt ist, hat er gehechelt. War aber auch heiß an diesem Tag
      Frißt er in solchen Phasen? Schon, wirkt aber gehetzt.
      Unterbricht er dann abrupt den "Anfall"? Wann käut er dabei wieder? Du meinst, ob er dann aufhört sich komisch zu verhalten, fressen geht und dann weiter macht? Er hat keine Zeit in Ruhe zu fressen.
      Schläft er dann 2 Tage nicht? Doch er schläft. Zieht sich in seine Hütte zurück
      Schläft er sonst im Stehen? Nein, er liegt gern und viel. Wahrscheinlich auch weil er etwas Arthrose hat. Und käut dann genüsslich wieder
      Habt Ihr versucht, in solchen Phasen Schreck auszulösen (2 Bretter flach aufeinander klatschen)? Auf erschrecken reagiert er dann eher nicht. Auch nicht auf Berührung. Er geht mit einem mit, wenn er an der Leine ist, aber er wirkt abwesend. Einen super lauten Knall haben wir noch nicht ausprobiert.


      Wenn er so eine Phase hat, will er auch von seinen Mädels nichts wissen und die nicht von ihm. Sonst folgen sie ihm auf die Weide und zurück aber da (zum Glück), gehen sie nicht mit. Zur Herde gehört noch ein Uraltes Pony. Das ist immer sehr besorgt, wenn Ralf sich komisch verhält.
      Bei den Ziegen stehen noch Pferde und Hühner. Kann das was damit zu tun haben?

      Wie kann ich erkennen, ob meine Ziege Schmerzen hat?
    • Funny schrieb:

      Wie kann ich erkennen, ob meine Ziege Schmerzen hat?
      Hier ein link aus dem Forum zu Schmerzsymptomen.
      Die Aufzählung ist meines Wissens vollständig, man muß aber wissen, daß Fluchttiere es vermeiden, Schmerzen zu zeigen, um keine Beutegreifer anzulocken und um nach Möglichkeit nicht aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden.
      Schmerzen, Schmerzanzeichen, Schmerzsymptome

      Ob er dauerhaft Schmerzen hat oder während der "Anfälle", kann ich nicht beurteilen. Bei Unterversorung des Gehirns ist eigentlich damit zu rechnen, wie stark?

      Dir ist für die präzisen Antworten zu danken.
      Wie würde ich vorgehen?
      1) Aufgrund Deiner Angaben auf die Lärmexposition (Bretter klatschen) verzichten, es erübrigt sich.

      2) Unbedingt ein detailliertes Journal anlegen mit Auffälligkeiten, Terminen und Beschreiben der Phänomene. Wie Du siehst, weißt Du nicht mal sicher, ob er sich immer in die gleiche Richtung dreht. Gut wären Angaben über zeitliche Abstände und Verlauf der Anfälle, Dauer, Durchmesser der Kreise (grob in Metern, Galopp, Trab, Geschwindigkeitswechsel); bei nächtlichen Ausflügen: Lichtverhältnisse, Mond, Wetter;
      Gesichtsausdruck (Maul, Lippenspiel?)

      Vorläufiger Therapievorschlag mit Begründung:

      angesichts möglicher (altersbedingter) vaskulärer Demenz [= Abbau von Hirnleistungen durch Verstopfen von kleinen Blutgefäßen] verstärkte Gabe von Weidenzweigen.
      Sie bieten ja neben Schmerzlinderung vor allem die Möglichkeit, das Blut etwas dünnflüssiger zu machen. Gehen wir von Problemen im Gehirn aus, müssen wir für bessere Durchblutung sorgen:
      wegen Sauerstoff- und Nährstoffbedarf des Gehirns! Zur Not muß Aspirin (synthetische Acetylsalicylsäure) gegeben werden. Das wäre mit Tierarzt zu besprechen. Zweige fände ich besser wegen der Metabolisierung.

      Dann gibst Du ihm außerdem Vitamin B Complex, darunter ist mit Sicherheit Vit. B 6 (Pyroxidin) = wichtig für den Metabolismus der Aminosäuren, die für die Neurotransmitter erforderlich sind.
      Ich weiß nicht, ob Du einen Arzt oder Tierarzt (es darf auch eine Frau sein :) ) an der Hand hast, mit dem/der Du das besprechen kannst. Laß Dich nicht abspeisen!
      Das soll also eine bessere Versorgung des Gehirns bewirken.

      Möglich ist auch, daß er durch Zeckenbefall andere Parasiten als die weiter oben genannten im Körper hat (mit Zystenbildung im Hirn) und daß diese mitunter (daher Tagebuch erforderlich) aktiv werden. Dafür würde das
      schubweise Auftreten sprechen.
      Wir können aber nicht auf Verdacht ein Langzeitantibiotikum hochdosiert geben (Wiederkäuer; wäre fatal für Pansen- und Darmflora)

      Hühner mit Ziegen zusammen ist natürlich nicht gut. Kot, Salmonellen!
      Noch Fragen? Vielleicht habe ich etwas vergessen.
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      "Wissen ist die einzige menschenwürdige Grundlage für ein Leben mit Tieren." Horst Stern
    • Hallo,

      vielen Dank für die Antworten.
      Ich werde die Dinge berücksichtigen und umsetzen. Ein Tagebuch führen, Vit B geben und den Nachbarn nach Weidenzweigen fragen. Ralf frisst sehr gern Zweige und Äste.

      Seit dem 30.12.2017 hatte er keine "komischen Phasen" mehr. Ich hoffe, die nächste lässt lange auf sich warten. Derzeit ist er so wie immer. Er freut sich wenn ich komme und verfolgt mich auf Schritt und Tritt in der Hoffnung, dass ich was zu Fressen aus der Tasche zaubere oder den Ponys was gebe.

      Was die Hühner (13 an der Zahl) angeht, sie haben einen eigenen Stall und sind nur zusammen auf der Wiese. Die Wiese ist über 1 ha groß. Es besteht keine Salmonellengefahr.

      Werden weibliche Ziegen älter als männliche?
    • Hallo Funny,

      Piroschka hätte Dir sicher sehr gerne weiter geholfen, ist jedoch leider aus mir unerfindlichen Gründen bis 13. Februar gesperrt worden. ( Habe ich was verpasst?)


      Funny schrieb:


      Werden weibliche Ziegen älter als männliche?
      Ich glaube nicht, dass es darüber eine Statistik gibt.

      Böckchen werden in Milchbetrieben per se meist nicht alt.

      Es kommt immer auf eine gute Gesundheit an, die sowohl bei mangelnder Pflege ( haltung, Verwurmung etc..) als auch bei der sehr beliebten Überversorgung (Leckerchen, Mineralien en masse, Obst, Brot etc...) sehr schnell ins Wanken geraten kann...bishin zum Tod.

      LG Elli :)