Der elende Weidezaun und noch mehr...

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    • Der elende Weidezaun und noch mehr...

      Hallo an Alle!
      Ich bin neu hier und habe sogleich die ersten Fragen und hoffe sehr, dass ihr hier Licht in mein Dunkel bringen könnt ?( . Noch habe ich keine Ziegen, möchte mir aber gerne 3 "normale" (keine Zwerge) anschaffen.
      Vorerst einmal die Fakten:
      Ein Grundstück (Heideland / Weide) mit ca. 7800m2. Dieses möchte ich gerne in 2 Teile teilen, damit man wechseln kann.
      Eine "Hütte" auf einem Traktoranhänger ca. 6 m2 groß, wird gebaut.
      Strom und Wasser vorhanden.
      Da es sich um Grünland handelt ist mir die Errichtung einer fixen Einzäunung oder eines fixen Stalles nicht möglich.
      Die Ziegen werden ausschließlich zur Beweidung und als Therapietiere bzw. für Ziegenwanderungen genutzt. (Also vorerst keine Milchproduktion oder Fleischvermarktung)

      Frage 1: Reicht die Fläche von 3900m2 für 3 Ziegen. (Zufüttern mit Heu/ Grumet/ Stroh und wenn nötig mit Kraftfutter wäre kein Problem). Oder könnte man die Fläche auch vierteln, sprich ca. 1950m2 für 3 Ziegen.
      Frage 2: Das Thema Zaun: Ich hätte vorerst an mobilen Weidezaun gedacht also bestehend aus 4 Litzen oder an ein Gitter. Doch brauche ich für die Fläche schon eine beträchtliche Länge und Menge an Zaun und müsste dafür dann z.B. mehrere Netze zusammenhängen. Geht das?
      Frage 3: Ein Weidezaungerät mit 5,9Joule Entladung ist das zu stark? Gibt's dann geröstete Ziege? :-o
      Frage 4: Wer erklärt einem Dolm wie mir, wie man so einen Zaun aufbaut bzw. sachgemäß montiert oder auch zusammenstellt. (Also welche Teile ich brauchen, wenn ich kein Netz nehme)

      So, ich glaub das war´s mal fürs Erste.
      Ich möchte halt nicht Tiere anschaffen, wenn das nicht geklärt und vorbereitet ist.

      Vielen lieben Dank für eure Hilfe,
      LG, Sonja
    • Mehrere Rückfragen:

      Heideland - ist das wirklich Heide oder bezeichnest Du das so? Ziegen bevorzugen verbuschtes Land, kein Gras.

      Wechselweide: zwischen den Beweidungen sollen mindestens 3 Wochen liegen, das bezieht sich aber auf Schafe und Rinder, die weniger parasitenanfällig sind als Ziegen. Ziegen weiden meistens erst nach 3 Monaten (!) ein vorher beweidetes Stück wieder einigermassen ordentlich ab - von gut abweiden kann man aber nicht sprechen.

      Flächengrösse: je kleiner, umso eher werden sie Dir über die Zäune gehen.

      Parasitendruck/Kotbeseitigung: wie hast Du das über die Jahre geplant? Wirst Du nachmähen, weil Ziegen von Natur aus nicht tief genug abfressen, viel stehen lassen?

      Zaun: Du wirst vermutlich nie eine Genehmigung für einen Festzaun erhalten und selbst wenn, musst Du einen Festzaun bei Ziegen immer mit Strom unterstützen, sonst drücken die Dir den kaputt. Aufgrund der fortschreitenden Wolfsausbreitung würde ich Dir für Ziegen AUF JEDEN FALL zu einem stromunterstützten Zaun raten - Thema gründlich durcharbeiten, da gibt es entsprechende Literatur im Netz.

      Und ja, man kann Hütenetze problemlos aneinander hängen. Nur ab ca. 10 Netzen kommt auch bei schlagstarken Geräten nicht mehr viel am hintersten Zaun an. Wähle auf jeden Fall die Netze mit 102/105 cm Höhe, 90cm Schafsnetze sind witzlos bei Ziegen. Litzenzaun ist weniger flexibel, wenn Du umstecken willst und wenn Du Pech hast, finden Deine Ziegen heraus, wie man zwischen den Litzen rausspringen kann.

      Ladestärke: könnte etwas überdimensioniert sein bei Deiner Zaunlänge.

      Zaunaufbau: gerade, stabil, keine durchhängenden Elemente, Ecken gründlich abspannen/stabilisieren. Mindestens zwei Erdungsstäbe. Bewuchs am Zaun regelmässig entfernen.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen

    • Elvis2011 schrieb:

      Frage 1: Reicht die Fläche von 3900m2 für 3 Ziegen. (Zufüttern mit Heu/ Grumet/ Stroh und wenn nötig mit Kraftfutter wäre kein Problem). Oder könnte man die Fläche auch vierteln, sprich ca. 1950m2 für 3 Ziegen.
      Mit 1,5ha kann man ca. 10 Ziegen durchfüttern. Somit sollte deine Fläche eher zu groß als zu klein sein. Da wäre es geschickt die Parzellen nur so groß zu gestalten wie es die Tiere auch schaffen abzufressen - da kannst nur probieren, würde aber sagen dass 500qm schon genug sind. Wenn die Fläche zu groß ist wird nur gefressen was wirklich schmeckt, davon wächst dann natürlich immer weniger nach. Würde nach der Beweidung also einmal drübermähen oder mulchen, dann kannst gleich die nächste Parzelle umrunden damit der Zaun nicht im hohen Gras steht.

      Elvis2011 schrieb:

      Frage 2: Das Thema Zaun: Ich hätte vorerst an mobilen Weidezaun gedacht also bestehend aus 4 Litzen oder an ein Gitter. Doch brauche ich für die Fläche schon eine beträchtliche Länge und Menge an Zaun und müsste dafür dann z.B. mehrere Netze zusammenhängen. Geht das?


      Frage 4: Wer erklärt einem Dolm wie mir, wie man so einen Zaun aufbaut bzw. sachgemäß montiert oder auch zusammenstellt. (Also welche Teile ich brauchen, wenn ich kein Netz nehme)
      Ja das geht, wie es geht erklärt dir der Verkäufer vom Weidezaun - wobei ich bei Hornlosen Ziegen zu Netzen raten würde weil die einfach flexibler sind und schneller umzustecken (auch allein wenns sein muss, da wirds bei Litzen und Wickler recht schwierig).

      Elvis2011 schrieb:

      Frage 3: Ein Weidezaungerät mit 5,9Joule Entladung ist das zu stark? Gibt's dann geröstete Ziege?
      Je stärker das Gerät umso besser. Wenns am Anfang richtig schnepft hast du eigentlich keine Probleme mehr. Wenn die Ziegen schon zu Beginn merken dass nichts passiert wenn sie drüber oder durchspringen wird es schwierig ihnen Standorttreue beizubringen. Kommt aber auch auf die Ziegen selbst an.
      Being a vegan is a missed steak
    • Hallo!

      Danke erstmals für eure Antworten, eine Kerze brennt schon ;)

      Heideland: Wir sind umgeben von einer richtigen Trockenheide, somit haben wir dort auch Flugsamen von verschiedenen Kräutern und Blumen. Die Fläche wo die Ziegen hin kommen ist ein alter Acker auf dem Dauerwiesenmischung für trockene Lagen angesät wurde. ( Bestandteile: versch. Gräser, Glatt- und Goldhafer, Schwingel, Rispe, Horn- und Weißklee, Wegerich, Löwenzahn usw.)

      Ich denke mir halt oft, dass Ziegen eigentlich auch mit sehr kargen Zuständen zurecht kommen und auch in z.B. Afrika nicht zugefüttert werden, also müsste das was ihnen geboten wird doch mehr als ausreichend sein?

      Nachdem ich von dem Besitzer der umgebenden Gebiete auch die Zustimmung habe die Ziegen anderweitig zum Beweiden abzustellen, denke ich wird die Futterversorgung kein Problem sein, zumal ich ihnen auch Heu anbieten werde. Oder was denkt ihr?

      Damit die Ziegen Beschäftigung haben würden sie auch Sträucher und Holz bekommen, das wäre kein Problem. Zudem gehört zu dem Acker auch noch ein ca. 1000 qm großes Waldstück mit sehr üppiger Bebuschung. Dort könnten sie sich auch austoben, bzw. möchte ich sie dort auch zum "Ausholzen" nutzen.

      Das Nachmähen war mir klar, zur Wiesepflege und zur Reduktion des Parasitendrucks würden auch einige Hühner mitlaufen. Das wird v.a. bei der Permakultur praktiziert.
      Entwurmung etc. ist auch klar...

      Der Weidezaun der mich interessieren würde wäre dieser: (ich hoffe ich darf den Link posten ...)
      gallagher.eu/de_at/smartfence-…inzigen-system-kombiniert


      Nachdem sanhestar aber Bedenken äußert, wegen dem Durchspringen, bin ich mir da nicht mehr so sicher...
      Kostengünstiger wären sicher Netze...

      Geplant ist auch, dass die Ziegen mindestens 1-2 Stunden pro Tag oder später auch länger von Menschen beschäftigt werden oder, dass man mit ihnen spazieren geht und sie z.B. als Packziege trainiert.



      Lg, Sonja

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Elvis2011 ()

    • nicht alle Ziegen leben in Afrika - und auch da bevorzugen sie Buschwerk. Ziegen stammen aus alpinen Räumen und - egal, wo Mensch sie angesiedelt hat - sie bleiben Äser = brauchen Laub/Buschwerk. Wann immer man sie bei freier Nahrungswahl beobachten kann, wird man da sehen.

      Waldweide: ist das ein Privatwald? Wenn nein, Waldweide ist in fast allen Teilen Deutschlands verboten. Und dann solltest Du mit dem Waldbesitzer abstimmen, ob das ok ist. Sie werden nämlich nicht nur Buschwerk fressen, sondern junge und jüngere Bäume schälen, umknicken, etc.

      Andere Flächen: wenn auch das überwiegend Grasland ist, hilft das nicht. Und Du kannst über die 15/16 Jahre, die Ziegen leben, nicht davon ausgehen, dass diese Flächen Dir immer zur Verfügung stehen werden.

      Heu anbieten: viel Spass damit im Sommer, wenn sie es liegen lassen aber das Gras auch nicht anrühren. Ziegen können da heikel sein - erinnere Dich an "Tischlein Deck Dich"....

      Äste zufüttern: machen viele. Hast Du eine zuverlässige Quelle? Bedenke, Du musst das alles auch wieder entsorgen.

      Ziegen und Hühner - keine gute Idee wegen Kokzidien bei den Hühnern, die dann auch die Ziegen befallen können.

      Spaziergänge/Beschäftigung: überlege, WAS Du willst. Entweder machst Du Fress-Spaziergänge, da nimmst Du dann Rücksicht auf die Ziegen oder Du machst Programm mit Menschen, da können die Ziegen nicht alle naslang zum Fressen stehen bleiben.

      Meine Ziegen z.B. fressen Löwenzahn nur im Frühjahr, Wegerich überhaupt nicht und Klee ist überhaupt nicht gut für Ziegen - Klauenrehe.

      Heideland - da fallen mir akut die Probleme von Circle-B-Ranch mit Kupfermangel in der Heide ein

      Kupfermangel

      Das u.U. vor Haltungsbeginn durchlesen und Haltungsoptimierung überdenken.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen

    • sanhestar schrieb:



      Ziegen und Hühner - keine gute Idee wegen Kokzidien bei den Hühnern, die dann auch die Ziegen befallen können.
      auch noch zu bedenken: wie schützt Du die Hühner vor Fressfeinden, wenn das überwiegend Wiese ist? Dann brauchst Du nämlich noch einen fuchs- und mardersicheren Nachtstall für die Hühner sowie idealerweise ausreichend Deckung vor Greifvögeln.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen

    • heideboden = wenn es nur sand wie bei uns ist, brauchst du viel geld und gedult ...

      wir haben den vorteil, dass wir viel gehölz bekommen und
      unser tischler uns die abgenagten reste abnimmt.

      heu von bester qualität zu bekommen ist nicht einfach und recht teuer.

      von mündlichen zusagen, wegen der beweidung - lass die finger, nur schriftlich.

      wie sabine schon schreibt - ziegen werden alt - so 15 - 18 jahre soltest du rechnen.

      und "bespassung" durch andere menschen - besorg dir gute versicherungen,
      landwirtschaft und haftpflicht ...
      Ich bin, wie ich bin - das, wird sich wohl auch nicht mehr ändern.
    • Heide - wie soll ich das definieren- Es ist eigentlich wunderbar dichtes Gras, verschiedene Gräser (hohes und niedriges) mit Wiesenblumen und Kräutern, bei uns sagte man dazu immer Heide. Vor vielen Jahren (+30 Jahre) wurde dieses Gebiet von Rindern und Gänsen beweidet. Die Erde ist schön dunkelbraun und richt nach Wald...

      Ich hätte ohnehin einen zusätzlichen mobilen Stall für die Hühner eingeplant sowie Klettergerüste und Plattformen für die Ziegen. Versicherung für meine Tiere habe ich und der Versicherungsmakler hat diese nochmals überprüft ob die Ziegen da mit drinnen sind. Das wäre schon mal erledigt.
      Das "Waldstück" ist im Flächenwidmungsplan nicht als solches bezeichnet, besteht aus verschiedenen Bäumen und Sträuchern (Weißdorn, Heckenrose, Felsenbirne, Schlehen usw.) und ist in dem Grundstück enthalten.

      Danke an Susanne M. für den Tipp. Habs mir schon angeschaut. ;)

      Lg, Sonja
    • Neu

      Ich habe eine Berufshaftpflichtversicherung sowie eine erweiterte "Haushaltsversicherung". Hier wurde mir von meinem Makler versichert, dass meine Tiere v.a. jetzt die Hühner, Hund, Katze und auch zu späterem Zeitpunkt ev. Tiere im Maße einer Hobbyhaltung inkl. Pferde gedeckt werden. Habe dabei auch eine erhöhte Deckungssumme sowie einen versicherten Betreuer der Tiere inkludiert.
    • Neu

      Oma Bummi schrieb:

      Mich würde die Versicherung auch interessieren, denn es ist nicht einfach eine zu finden als Hobbyhalter.
      Kurze Frage dazu: in Österreich gibts das Wort Hobbyhalter nicht, weil man für Nutztiere um sie sachgemäß melden zu können (ich gehe davon aus das wird hier von allen praktiziert) eine Betriebsnummer benötigt.
      Folglich ist es kein Hobby sondern gilt man als landwirtschaftlicher Betrieb mit allen Rechten und Pflichten. Die Versicherung in diesem Fall bezieht sich aber nur auf den Bereich der Hofstelle, umschließt jedoch alle Unfälle welche in Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Betrieb stehen. Dass auch fremde Flächen dazuzählen bedarf es eines Pachtvertrages, mündliche Zusagen interessieren die Leute nur solange sie davon profitieren bzw. keinen Schaden davontragen ;)
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    • Neu

      auch in Deutschland muss jeder Ziegenhalter eine Betriebsnummer beantragen.

      Und zwischen landwirtschaftlicher Tätigkeit und Freizeitangeboten/Therapieangeboten für/mit Menschen und Tieren ist ein feiner Unterschied, der eben in landwirtschaftlichen Haftpflichtversicherungen meistens nicht abgedeckt wird.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen

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      Davon verstehe ich nichts, wenn da was passiert ist man aber sowieso dran - natürlich besser mit Versicherung, aber trotzdem kann man zusperren wenn mal dem Richtigen (bzw. Falschen) was passiert, egal wer schuld dran ist ;)

      Mein Beitrag bezog sich nur auf die Beweidung fremder Grundstücke, da fängts nämlich schon an wenn mal eine Ziege ausbricht und man nicht gerade vor Ort ist.
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