Die Kraniche sind wieder da!

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Heute (6. März 2020) feiert das Forum seinen 19. Geburtstag - neben Silvester wohl einer der Tage, an denen am häufigsten darüber sinniert wird, was bisher geschah und was da noch so kommen soll. Darin stellt das Forum keine Ausnahme dar. Das Ergebnis dieser Gedanken will ich Euch mit einem Liedtext von Unheilig mitteilen:

    Nichts im Leben ist unendlich.
    Der Abgrund folgt nach dem Zenit.
    Jede Erinnerung ist zu wertvoll,
    um nur aus Stolz kein Ende zu sehen.

    Es ist Zeit zu gehen.
    Wir danken euch für all die Jahre.
    Auch wenn es weh tut,
    ist es Zeit für uns zu gehen.

    In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen, die in den ganzen Jahren den Ziegen-Treff online und im echten Leben zu dem gemacht haben, was er war. Ich durfte viele nette Bekanntschaften machen, teilweise sogar Freundschaften knüpfen. Aber irgendwann naht bei jeder Reise das Ende. In diesem Fall wird dies der 20. Geburtstag des Forums sein, also der 6. März 2021.

    Ich gebe dies deshalb so früh bekannt, weil ich mich freuen würde, wenn sich in dem Jahr, das noch bleibt, jemand finden würde, der den Willen und den technischen Hintergrund hat, das Forum weiterzuführen. Für mich persönlich wird dieser Tag definitiv der Abschluss einer langen, meist schönen Reise. Es ist Zeit zu gehen.
    • Ja, es ist ein grazieler Tanz, teilweise mit weit ausgebreiteten Flügeln und kleineren sowie größeren "Hüpfern". Da sieht man erst, wie groß und was für eine Spannweite die Tiere aufweisen. Dazu ihr typischer und lauter Ruf. Ist schon ein Erlebnis, jedes Jahr aufs Neue.

      LG Conny
      Man kann dem Leben keine Tage geben, aber dem Tag mehr Leben
      Nutztierarche-Trampe.de
      facebook.com/nutztierarchetrampe
      [img]http://up.picr.de/24314352zj.jpg[/img]
    • Laurien+Biene schrieb:

      Warum schreien sie aber allzus beim Fliegen, is das
      nich zusätzl. kräftezehrend?
      Der Kraftaufwand (Energieverzehr) ist äußerst gering aufgrund der besonderen Form der Luftröhre der Kraniche. Am Ende trompetenförmig sorgt sie für große Resonanz (Hall).
      Der Ruf dient der Verständigung, vielleicht sollen auch beim Durchzug andere Kraniche bewogen werden, sich dem Zug anzuschließen.
      Wenn man bedenkt, daß die Tiere bis zu 2000 km nonstop zurücklegen können (was sie nicht etwa immer tun), ist das Rufen minimal kräftezehrend.
      _______________
    • champagne-ardenne.lpo.fr/grue-…-cendrees-au-jour-le-jour

      Hier kann man beim Scrollen die Flugroute der Kraniche nach Südwesten verfolgen, vorher die Zählungen in Deutschland, in Hessen, im Rhin-Havel-Luch (mal über 40.000 Kraniche) oder in den Diepholzer Niederungen, den Überflug über Luxemburg, alles einige Tage begünstigt durch Nordostwind.
      Eine Zwischenstation ist immer der Lac du Der, ein See in der Champagne; allerdings machen dort nicht alle Halt, sondern ein Teil der durchaus nachts ankommenden Vögel landet nicht, sondern fliegt durch, über die Westpyrenäen (Nähe Golf von Gascogne, Biscaya) nach Spanien.

      Hier mal eine Karte mit Stationen:

      champagne-ardenne.lpo.fr/grue-cendree/grus

      auch in englischer Sprache.
      _______________
    • champagne-ardenne.lpo.fr/image…ugen-bock_mit_gunz-de.jpg

      Wer die Karte der Äsungs- und Überfluggebiete auf Rügen studiert, wird bemerken, daß die Kraniche offenes Meer, wenn möglich, meiden. Sie bevorzugen Gebiete, in denen Thermik vorkommt, aufsteigende Winde ersparen Energie.
      Während sie sich hier bei den Stopps gern von Ernteresten ernähren (Mais), fressen sie bei der Rast in Spanien mehr Eicheln und Oliven. Kraniche sind wie Gänse eher Vegetarier.
      Am Wochenende wurden mir Zehntausende Überflieger aus Berlin gemeldet, vielleicht ahnten sie den kurzen Kälteeinbruch.
      Der Ruf dient auch der Verständigung mit dem Partner während des Flugs, Kraniche sind monogam.
      _______________
    • ja, hab ich mich auch schon gefragt, was so viele Tiere fressen, um bei
      Kräften zu bleiben.
      Verständigung mit Partner: Leuchtet ein, sie ändern ja auch oft ihre
      Formation, da sollte man schon in Kontakt bleiben! Hier über unserm Haus haben sich mal 2 Schwärme (glaub ich
      jedenfalls, was weiß ich schon) sozusagen getroffen,
      da war was los. M.E. haben sie sich aber nich vereinigt, sondern sind nahe, aber
      in 2 getrennten Formationen weiter geflogen. Was weißt du darüber?
    • Glücklicherweise haben noch keine geschäftstüchtigen Tierkommunikatorinnen dies Feld entdeckt und angeboten, die Schwärme im Flug zu befragen.

      Offensichtlich haben Beobachtungen ergeben, daß die Vögel auch neue Flugrouten erschließen, etwa über Ungarn südlich um die Alpen (aber auch nördlich) nach Westen und dann an der Französischen Mittelmeerküste entlang östlich vor den Pyrenäen nach Spanien.
      Demnach nicht mehr allein über die Balkanroute nach Afrika.

      Daneben natürlich weiterhin über Luxemburg durch Frankreich den weiter oben beschriebenen Weg westlich der Pyrenäen.
      welt.de/wissenschaft/umwelt/ar…Flugrouten-unterwegs.html

      Die Vögel kommen auch aus Island über Schweden nach Süden.

      In Hessen hast Du die vielen freiwilligen Beobachter im Raum Marburg (westlich und Lahntal), siehe hier:
      champagne-ardenne.lpo.fr/grue-cendree/grus/hesse
      Im Text sind die Orte zu erkennen. Mir wird Überflug auch aus Dautphetal und Grünberg berichtet.
      Im Raum Marburg gibt es allein 25 Personen, die sich an der Zählung beteiligen.
      Gib Flugrouten Kraniche Hessen bei google ein und Du findest Angaben.
      _______________
    • Na ja, Tierarten ohne zahlungskräftige Frauchen...

      Ich las mal "Snow Geese" von William Fiennes, der zog den Gänsen quer durch
      Amerika hinterher ins Sommerquartier, die Erklärungen für die Navigation der Gänse
      waren vielfältig u. ziemlich kompliziert, von daher find ichs doch recht spektakulär, daß sie neue
      Flugrouten erschließen!
    • Laurien+Biene schrieb:

      die Erklärungen für die Navigation der Gänse
      waren vielfältig u. ziemlich kompliziert, von daher find ichs doch recht spektakulär, daß sie neue
      Flugrouten erschließen!
      Dann lies mal unbedingt folgenden Beitrag über Kraniche vom Juni 2015:

      deutschlandfunk.de/globales-ko…ml?dram:article_id=321788

      Im übrigen gibt es meines Wissens - außer "gruppeninterner Absprache" über die Wahl der Route - 3 verschiedene Navigationssysteme: a) Orientierung über das Magnetfeld der Erde über hirnspezifische
      Möglichkeiten im Bereich "Sehzentrum"; b) Sonne und Sternenhimmel; c) geographische Orientierung (Landschaft, Gebirge, Flüsse, Autobahnen).

      Von Menschen aus Bruteiern gezogene Wildgänse (ohne Eltern mit programmierten Hirnen), auf Menschen in Gänse-Kostümen geprägt, konnten später von Nordskandinavien mit Ultraleichtfliegern in Gänsegepräge als Leitgänsen etappenweise bis zu den Rheinauen geleitet werden.
      Allerdings (deshalb auch mehr Etappen) segeln Gänse nicht wie Kraniche zwischendurch, sondern müssen ununterbrochen mit den Flügeln schlagen. Asiatische Streifengänse ziehen von der Mongolei nach Indien, wenn der Herbst kommt.
      Dabei überqueren sie den Himalaya in mehr als 7000 m Höhe, aber nicht, indem sie im beständigen Steigflug auf diese Höhe ansteigen, sondern sie folgen der Gebirgsformation, sinken wieder in Täler usw., um dann die Aufwinde zu nutzen an den nächsten Steigungen.
      _______________
    • Klasse! Danke für die Weiterführung dieser spannenden Thematik!

      'Die eigenwilligen Flugrouten der Kraniche' kann ich in meinem kleinen Dunstkreis bestätigen. Letztes Jahr habe ich so viele gesichtet- dieses Jahr nur den einen Trupp Kraniche gesehen und das war's dann wohl.

      In Anbetracht des optimalen Körperbaus dieser Langstreckenflieger verwundert mich ein augeklügeltes Informationssystem unter diesen herrlichen Vögeln in keinster Weise. Hoch lebe die Bionik!

      Liebe Grüße sendet

      Elli

      P.S. Eine Sache ließ mich sehr schmunzeln in dem Bericht von Michael Stang. Dass die armen Kraniche im Nationalpark Matsalu brühten. Hoffentlich ruft das keine Tierrechtler auf den Plan... :D
    • Das wird spannend:

      Eine Ende 2005 veröffentlichte Studie ergab zudem, dass sich der
      magnetische Nordpol im vergangenen Jahrhundert um rund 1100 Kilometer
      von Alaska in Richtung Sibirien verlagerte. Dabei wanderte er in der
      Spitze mit 50 Kilometer pro Jahr im Zickzack durch die Tundra. Das
      Magnetfeld ändert sich also rasant.


      Mittlerweile verstehen die
      Geologen auch weitgehend, was diese Polwanderung bewirkt. Erzeugt wird
      das Erdmagnetfeld vom sogenannten Geodynamo: Im Erdkern, der
      größtenteils aus flüssigem Eisen
      besteht, steigt heißes Magma bis an die Grenze zum Erdmantel auf. Dort
      gibt es seine Wärme ab, kühlt aus und sinkt wieder ab. Zugleich rotiert
      der Erdkern. Durch diese sich überlagernden Bewegungen fließt, wie bei
      einem Fahrraddynamo, im glutflüssigen Erdinnern ein Strom. Der
      Stromfluss wiederum bringt ein Magnetfeld hervor – eben das
      Erdmagnetfeld. Physiker nennen diesen Vorgang Induktion, er lässt sich
      bei jedem stromdurchflossenen Kabel beobachten.


      Störungen im Geodynamo

      Im
      Normalfall hat das Erdfeld zwei Pole. Doch offenbar kommt es in
      Abständen zu Störungen im Geodynamo. Sie destabilisieren das Magnetfeld.
      Es wird schwächer, gleichzeitig bilden sich weitere Magnetpole aus.
      Verringert sich die Feldstärke weiter wie bisher beobachtet, gibt es in
      etwa 1800 Jahren an der Erdoberfläche ein Feld mit vier Polen
      (Quadrupol). Es können auch acht Magnetpole entstehen. Damit geht ein
      Wechsel in der Flussrichtung des Feldes einher. Wenn sich die Störung
      abschwächt, verschwindet die Multipolstruktur wieder, zwei normale Pole
      bilden sich aus, diesmal mit umgekehrten Vorzeichen. Dann stabilisiert
      sich das Feld wieder.
      _______________
    • Dazu sagt Monika Korte vom Helmholtz-Zentrum in Potsdam etwas anderes, aber vielleicht ist der Pol in den letzten Tagen umgesprungen. Das würde das Kribbeln in meiner linken Thoraxhälfte erklären ;) , aber auch, dass Tauben zur Zeit sich nicht weit vom Schlag entfernen.

      gfz-potsdam.de/magservice/faq/


      Der magnetische Nordpol liegt zurzeit (2015) in der Arktis bei etwa 86 Grad nördlicher Länge und 160 Grad westlicher Breite. Er bewegt sich gegenwärtig jährlich etwa 40km. Der magnetische Südpol liegt bei etwa 64 Grad Süd, 137 Grad Ost und bewegt sich weniger als 15km im Jahr. Durch die externen Variationen, die sich in hohen Breiten besonders stark auswirken, kann die genaue Lage des Punktes mit 90 Grad Inklination jedoch kurzfristig um bis zu 80km schwanken. Die untere Abbildung zeigt die Positionen des magnetischen (schwarz) und geomagnetischen (rot) Pols auf der Nord- und Südhalbkugel seit 1590.

      gfz-potsdam.de/typo3temp/pics/npole_53ab97e4f6.png
      Nördlicher magnetischer (schwarze Punkte) und geomagnetischer Pol (rote Punkte) zwischen 1590 und 2015

      gfz-potsdam.de/typo3temp/pics/spole_02_49ecc38cf5.png
      Südlicher magnetischer (schwarze Punkte) und geomagnetischer Pol (rote Punkte) zwischen 1590 und 2015
      _______________

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Sven ()

    • Piri, wir schweifen ab.... Aber das ist das Problem, wenn mehrere verschiedene Quellen unterschiedliche Aussagen treffen.
      In Österreich lernen die Schulkinder jetzt eben, dass der magnetische Nordpol sich in der Nähe des Südpols befindet. Sonst würden plötzlich alle Magneten falsch sein und sich der Nordpol eines Magneten und der magnetische Nordpol plötzlich sehr anziehend finden.

      Das mag aber ein Grund dafür sein, dass Kraniche Österreich am Liebsten ausweichen. Und ja, das irritiert unsere Brieftauben vermutlich so sehr, dass sie den Blickkontakt zum Gehege nicht verlieren wollen.
    • Goaßerl schrieb:

      In Österreich lernen die Schulkinder jetzt eben, dass der magnetische Nordpol sich in der Nähe des Südpols befindet.
      Genauso übel wie in Sachsen, wo die Kinder lernen, daß der Äquator mitten durch Görlitz verläuft: gelbe Linie auf der folgenden Karte.

      google.fr/maps/place/G%C3%B6rl…8fee7f:0x5e9effc1a38b3b57

      Und die Kraniche haben das Nachsehen, fliegen deshalb teilweise über Anatolien bis Äthopien, wo sie Hirse fressen statt der spanischen Oliven und Eicheln.
      _______________