Bockherde aufbauen (und sozialisieren von Bocklämmern)

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    • Bockherde aufbauen (und sozialisieren von Bocklämmern)

      Hallo zusammen,
      gespannt verfolge ich in letzter Zeit die Themen um das Verhalten von Böcken, den Umgang mit ihnen und die diversen Meinungen und Ratschläge.
      Das Thema "Bock" scheint mir so interessant, dass es es wert wäre, eine konzentrierte Sammlung von Aspekten und Erfahrungen aufzubauen.
      Mein Hintergrund dazu und warum ich noch was lernen will:
      Im letzten Jahr hatte ich die Gelegenheit, eine Herde von 25 Böcken (sowohl ganz jung als auch deutlich erwachsen) über fast zwei Wochen in einer Sandgrube zu betreuen,
      ihr Job war es, das Gebüsch nieder zu fressen. Das war völlig entspannt, sie waren mir bekannt, ich konnte jederzeit mitten durchlaufen und einige sind durchaus zutraulich.
      Mein Job war der "Hirte", also E-Zaun instand halten, Wasser etc. versorgen und Tiere kontrollieren. Klappte prima, keiner ausgebüxt, nichts passiert, richtig harmonisch:

      Mittlerweile gibts in diesem Bestand wieder Bocklämmer (bei den Müttern, logisch) und da stellt sich mir die Frage, wie die zu sozialisieren sind bzw. ob das so in Ordnung ist, auf lange Sicht gesehen.
      Die sind sehr zugänglich, d.h. nehmen, halten streicheln etc.pp. alles kein Problem und m.E. auch sinnvoll, da sie so den Menschen mindestens mal als angenehme Umgebung kennenlernen.
      Das soll aber nicht dazu führen, dass sie aufsässig werden und dass reiben, stossen etc. erlaubt wird. Das muss unterbunden werden mit den bekannten Massnahmen.
      Wichtig ist mir, dass sie später jederzeit zugänglich sind.
      Bei den einjährigen vom letzten Jahr hat das soweit gut geklappt, die versuchen selten mal ihr Glück, werden jedoch in die Schranken gewiesen.
      Denoch sind sie einer Fellpflege durch striegeln nie abgeneigt, da stehen die hin und rühren sich keinen Mucks mehr. Andererseits laufen sie einem hinten nach wie ein Hund, ohne irgendwelche Aufdringlichkeiten.
      Auch die älteren lassen sich durchaus kraulen, streicheln, ohne dass sie deswegen in uns Menschen den Untertan sehen würden oder anfangen würden aufzusteigen etc.
      Der Weg durchs Gehege geht für uns immer geradeaus und jeder macht Platz, keinerlei Kampfansage.

      Das passt für mich nicht so recht zu dem, was im allgemeinen (und auch hier im Forum) von Böcken berichtet wird, wie seht ihr das ?

      Über kurz oder lang beabsichtige ich, wenn möglich, aus diesem Bestand
      eine eigene Herde mit max. 10 Tieren auszukaufen, leider fehlt mir noch der
      Stall dazu.
      Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen habe ich da ein sehr gutes Gefühl damit, lese ich allerdings manch Frage hier, könnte ich schon mal zweifeln...

      Wäre schön, wenn sich ein Bockherden-Sozialisierungs-und-Umgangs "Kompendium" ergäbe, ansonsten bin ich natürlich für jede eurer Meinungen und Erfahrungen dankbar.

      Grüß euch
      Harald
    • Hallo,
      Bockherden sind was ganz normales. In freier Wildbahn gibt es das Jahr über Bockherden und Geißenherden mit Jungen. Nur in der Brunftzeit bringen die Hormone Bock und Geiß zusammen.
      In der Regel gibt es jedes Jahr einen großen Überschuß an Böcken. Wenn Ziegenhalter nicht Züchten wollen und die Tiere zur Landschaftspflege einsetzen wollen, bietet es sich an eine Bockherde zu halten. Wenn Du eine Bockherde halten willst, sind Dir viele Ziegenhalter dankbar inbesondere diejenigen, die züchten und nicht Schlachten wollen oder können. Ein imposanter Anblick ist eine Bockherde allemal. Von der Gefährlichkeit her macht es keinen Unterschied ob Dich ein durchgeknallter einzelner Bock, der mit Geißen zusammenlebt angreift, oder ein gestörter Bock aus einer Bockherde. Durch sein eigenes Verhalten kann man viel dazu beitragen, dass Böcke lieb und brav bleiben.
      Gruß Klaus
    • Hallo
      ich finde es eine schöne Idee eine Bockherde aufzubauen. Warum nicht wenn man keine Zuchtambitionen hat. Sollen es denn richtige Böcke oder Kastraten werden?
      Ich habe selbst auch mehrere Böcke zusammen und obwohl sie die Mädels sehen können klappt das prima.
      Ich hatte allerdings einmal ein bösartiges Tier. Ich denke dass kann vorkommen ist allerdings nicht die Regel. Von solchen Tieren muss man sich leider trennen wenn alles andere nicht geklappt hat.
      Aber man liest auch manchmal von weiblichen die nicht astrein sind. Ich denke dass kann immer mal passieren.
      Wenn die Böcke keinen Kontakt zu Weibchen haben ist das Risiko sicher geringer.
      Ich persönlich finde Böcke haben auch ihre Vorzüge. Sie sind teilweise viel agiler und es macht Spaß ihnen beim tollen und spielerischen Rangliste zuzusehen.
      Viel Erfolg bei dem Aufbau deiner Bockherde
    • Das sind ja unglaublich schöne Tiere auf deinem Foto!
      Vermutlich sind "fehlgeleitete" Böcke die Ausnahme und sicherlich ist die Schuld beim Besitzer zu finden, nicht beim Tier (nicht genug ausgelastet, zu sehr verwöhnt, das falsche Futter). MichelleM, hat jetzt nichts mit dir zu tun, ich hatte auch ein Ziegenbock, mit dem ich schwer zu kämpfen hatte (nur ich, nicht die Ziegen), mit dem hab ich halt blöde Rangelspiele im zarten Kitzenalter veranstaltet = selbst schuld.
      Ich würde, da ich seit Jahren keinen Nachwuchs mehr haben möchte, nur noch Böcke halten wollen. Leider mögen einige den Geruch nicht (ich find ihn prima), daher dürften es mitten im Dorf wohl nur Kastraten sein.
      Es ist nur verständlich, dass die Wölfe die Abrüstung der Schafe verlangen, denn deren Wolle setzt dem Biss einen gewissen Widerstand entgegen.
      (Gilbert Keith Chesterton)
    • Solange keine weiblichen Ziegen in der Nähe sind oder er mit Zicken zusammen läuft, sind Böcke sehr anhänglich und lieb, auch untereinander. Hat er hingegen eine eigene Herde, kann er besonders Fremden gegenüber, ziemlich eklig sein, oftmals während der Brunftzeit. Mehrere Böke in einer Zickenherde müssen ihre Rangkämpfe austragen und da sind mehrer Böcke in der Regel einfach zu viel. Das gibt nie Ruhe.

      LG Conny
      Man kann dem Leben keine Tage geben, aber dem Tag mehr Leben
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    • @Zieglinde
      Ich gebe dir Recht. Fast immer gibt es Ursachen für solches Verhalten. Bei dem besagten Bock blieben uns und dem TA die Ursache allerdings vollkommen unklar. Die Aggression richtete sich zum Schluss nicht nur gegen Menschen sondern auch Hunde und Katzen andere Ziegen etc

      Aber dass ist wohl eine Ausnahme Häufig werden Böcke einfach auch nicht artgerecht gehalten. Da braucht man sich über Aggressionen nicht wundern.
    • und genau da sehe ich meinen Ansatz. Erstens den Menschen nahe zu bringen, dass "die Böcke" anders sein können, als es in vielen Köpfen der Glaube ist und zweitens, den Kerls eine Chance zu geben,
      die sonst im Kochtopf landen oder wer weiß wo...
      Die Männchen sind ja nun mal nicht so recht beliebt in der heutigen Tierhaltung.

      Übrigens sind das langhaarige Passeirer Gebirgsziegen auf dem Foto, ein vom aussterben bedrohter Schlag dieses Typs, in Südtirol schon selten und unbeliebt wegen des Pflegeaufwands des Fells. Dort werden die kurzhaarigen "borschtigen" bevorzugt.

      Die Bockherde soll auch als Genpool für Züchter dienen, die eben selbst keine Böcke halten wollen,

      LG
      Harald
    • Echt schöne Kerle!
      Wir haben auch ,zu unseren Weibern, eine extra Bockgruppe. Bei den Kerlen geht es wesentlich harmonischer und entspannter zu, auch wenn mal ein neuer in die Gruppe kommt. Unsere Kerle und natürlich auch unsere Weiber, sind alle gut sozialisiert und recht gut händelbar! Wenn ich keinen Nachwuchs haben wollte, würde ich mir lieber nur Böcke/Kastrate halten!


      LG Steffi
      Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es spürt wie du den Schmerz!

      Das mir der Hund das Liebste ist, sagst du "oh" Mensch sei Sünde, der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde!
    • Hallo, ich hoffe dass ich mit meinem Beitrag nicht in den Archiven lande, weil ich diesen aus dem Jahr 2015 gefunden habe. Nach diesem Thema habe ich gsucht.
      In unserer kleinen Herde leben 3 kastrierte Jungböcke, aus den Würfen des letzten Jahres. einen Bock, welcher der Vater unserer Nachkommen ist lebt in Einzelhaltung bei den Ziegen. Nachdem klar wurde, dass wir keinen Leihbock bekommen werden um unsere Kalaharilinie weiter zu entwickeln, wir aber einen neuen Bock brauchen um den Nachwuchs decken zu lassenn, kommt bei mir langsam die Idee hoch eine kleine Bockherde einzurichten. Diese würde auf einem Teil des Grundstücks eingerichtet werden, so dass sich Ziegen und Böcke nicht sehen können. Es liegt ein Schuppen in der Sichtachse, die Entfernung zwischen den Gehegen wäre ca. 50m. Meine Frage in die Runde wäre ob die Idee realisierbar ist, ob Böcke kastriert und unkastriert zusammen gehalten werden können und ob es den Böcken gut gehen kann, wenn sie nicht kastriert sind aber keine Zicke decken können.
      Wie Harald damals schon meinte finde ich auch, dass die Lebensqualität der Böcke auch beachtet werden sollte. Unser Zuchtbock scheint zwar zufrieden mit seiner Situation zu sein (oder sich abgefunden haben?), aber ich würde ihm gerne mehr Gesellschaft gönnen. Die Jungböcke hatten wir übrigens kastrieren lassen damit sie in der Herde bleiben können bis sie ein gutes Schlachtgewicht haben. Denn auch wenn wir eine Hobbyzucht betreiben und an ihrem Sozialverhalten interessiert sind, bleiben es trotzdem Nutztiere.
      HG Jörg
    • Welche schönen Böcke! :) Man wird ja froh! :) Ja, Böcke sind ganz friedlich, oft messen sie sich einander gegenüber, oft jeden Tag, aber selten mit Schaden. Das ist mehr wie Gymnastik. Wenn zwei von meinen Böcke sich richtig gestritten haben, habe ich entdeckt, daß ich ohne Weiteres dazwischen gehen konnte, sie gehen nur ein bißchen zu der Seite, um den anderen Bock wieder zu stössen.

      Mehr selten kommt es vor, daß zwei weiblichen Ziegen sich streiten. Dann ist es gewöhnlicherweise richtig ernst, und dann können auch Verletzungen vorkommen.

      Warum haben Böcke, Schafen sowie Ziegen, so ein schlechtes Gerücht? Ich glaube, es kommt daher, daß man in älteren Zeiten sie oft einsam hatte, festgebunden order eingesperrt, weit weg von "Frauen und Kinder", ihre Verantwortung. Wer würde nicht under solchen Umständen gestresst werden?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Trollmor ()

    • Kann ich mehr über Eure "Kalaharilinie" lernen? Niemals gehört!

      Wer Böcke nicht kastrieren will, kann Schürzen machen oder kaufen. Zum Beispiel diese sind zwar teuer, aber offenbar gut:
      houseofbacchuspetsupplies.com/anti-mating-aprons-s/118.htm

      Die meisten Böcke paaren sich nicht, obwohl sie alle Interesse haben. Die meisten Ziegen wählen den z.Z. stärkesten Bock, der dieses Jahr alle, oder fast alle, Weibchen paart. (Nun habe ich bestimmt die Sprache tüchtig gewirrt!)

      Ich hatte kastrierte Böcke in meine Gruppe, und die schienen mir traurig zu sein, aber soweit ich verstand gab es keine Konflikten deswegen. Diese Traurigkeit hat mich veranlassen (?) nie mehr Böcke kastrieren zu lassen.