Vertrauen verloren, Kastrat schlägt mit Hörnern

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    • Vertrauen verloren, Kastrat schlägt mit Hörnern

      Hallo,

      Nach einer Unglücklich verlaufenden Aktion (zur Klauenpflege aus der Gruppe raus geholt, schlechte Fixierung, losgerissen, weh getan....) lässt sich einer meiner kastrierten Böcke nicht mehr ans Halsband legen und schlägt nach mir. Ebenso wenn ich ihm beim Fressen zu nahe komme. Er schlägt nicht wenn ich um ihn herum gehe, nur wenn ich mich in seine Richtung beuge. Oder ihn Streichele. Ich vermute dass der Vertrauensverlust mehr Ursache ist als das hierarchisches Dominanzproblem. Wie kann ich ihn wieder ans Halsband gewöhnen und Vertrauen zurück gewinnen? Vielen Dank für Anregungen.
    • erstmal in Ruhe einfach nur in die Gruppe setzen und NICHTS von ihm erwarten. ER initiiert den Kontakt, nicht Du.

      Da Streicheln für ihn auch negativ besetzt ist, bleiben Dir im Moment nur Leckerli - sofern er aus der Hand frisst.

      Wobei eine so enorme Abwehrreaktion und die minimale Beschreibung des Vorfalles mich fragen lässt, ob da nicht Schmerzen vorhanden sind durch eine unbemerkte Verletzung.

      Hast Du eine Möglichkeit, ihn innerhalb der Gruppe so zu separieren, dass Du nur mit ihm alleine Kontakt aufnehmen kannst? Kleinen Paddock mit Horden stellen?

      KEINERLEI Aktionen ausserhalb der Gruppe, auch das Klauenschneiden die nächsten Monate nur in der Gruppe machen.

      Bitte beantworte die Frage mit dem Separieren in der Gruppe, wenn das möglich ist, kannst Du mit Gegenkonditionierung mit Hilfe von Futter anfangen. Ansonsten hat das nicht viel Sinn, weil Du mit dem Konkurrenzverhalten der anderen nur zusätzliche Probleme bekommen würdest.

      Parallel bitte mal genau nachdenken, ob durch das von Dir nur knapp beschriebene "weh getan" eine Verletzung entstanden sein könnte, die akut für Schmerzen sorgt. Dies müsste dann vorab behandelt werden.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • Hallo Sanhestar,

      habe schon gemerkt, daß Du hier die Ziegenflüsterin bist :)
      Danke für die schnelle und ausführliche Antwort.

      ich füttere neben Heu auch etwas Gemüse, und das größtenteils aus der Hand. Das nimmt er auch gern und ohne Angst oder Agression, schaut mir auch neugierig in die Taschen obs noch was gibt.

      Zu enorme Reaktion auf minimale Aktion: er hat zwar meiner Meinung keine wirklichen körperlichen Schäden abbekommen, aber die ganze Aktion war sehr beängstigend für ihn. Wollte hier keine Romane schreiben, aber er hat sich mit dem Ständer an dem er angebunden war losgerissen, den Ständer zwischen zwei Autos verkeilt, wurde von mir bei ca + 5 ° Außentempratur mit einem kalten wasserschlauch an den Klauen abgespritzt, zuvor hatte ich nicht bemerkt, daß der Schlauch aufgedreht war, der Schlauch spritze auf dem Boden rum und sah aus wie eine Schlange.... und noch so einige Kleinigkeiten die diese dumme Aktion wirklich erschreckend machten. Hinterher lief er ein paar schritte etwas staksig, und belastete die Beine nicht ganz gleichmäßig, das erledigt sich aber innerhalb einiger Minuten nachdem die Klauenpflege beendet war, seither ist mir nichts am Gang oder der Haltung / den Beinen aufgefallen, nix zu sehen jedenfalls, und abtasten lässt er mich wie gesagt gerade nicht.

      Hast Du eine Möglichkeit, ihn innerhalb der Gruppe so zu separieren,
      dass Du nur mit ihm alleine Kontakt aufnehmen kannst? Kleinen Paddock
      mit Horden stellen?

      Das wäre zwar theoretisch Mögich, aber alles was kein massiver Zaun ist würde vom Leitbock (Luke, nicht Ludwig um den es geht) umgerissen werden (ich denke der hat ca 100 kg und 1,50 m Schulterhöhe....) sobald er sieht daß ich Ludwig füttere.

      Ich wollte eh eine Anbindemöglichkeit im Stall für jedes einzelne Tier schaffen, meinst du es wäre ok wenn ich die drei anderen anbinde um mit Ludwig zu arbeiten? die werden halt vermutlich meckern,sobald sie ihr eigenes Gemüse gegessen haben.....

      Das mit dem Separieren aus der Gruppe hatte ich eh nicht mehr vor nach der Aktion.....

      Es ist schon auch möglich, daß das Kopfstoßen nicht NUR aus Angst sondern auch aus unzureichender Hierarchie entsteht, z.B. stößt er auch, wenn er aus der Schubkarre Heu frisst und ich auf der anderen Seite Heu rausnehme um es an die anderen zu verteilen. Bitte auch hierzu noch ein paar Tips, daß ich der Chef bin. Luke, der eigentliche Leitbock, macht das übrigens nicht, aber der war auch Tier-Therapie-Ziege, Ludwig nicht.

      Ganz lieben Dank,
      Eva-Maria

      p.s. Du bis in Lautertal, oder? falls ich es mal einrichten Kann auf dem Weg von Olpe Richtung Heidelberg vorbei zu kommen, darf ich Dich dann mal besuchen und mir das kurz in live anschauen? Hätte dann aber vermutlich meine 2,5 jahre alte Tochter dabei.
    • Hallo,

      die anderen anbinden geht, wenn Du das mit denen übst. Sie sollten während der Trainingszeit mit Ludwig genug zu fressen haben, dass sie sich nicht solche Dinge angewöhnen, wie an Anbindestricken zu ziehen und rumzuhampeln.

      Auf der anderen Seite würde ich die Übungseinheiten mit Ludwig so lange sehr kurz halten, bis er signalisiert, dass er sich wieder mehr auf Dich einlassen kann.

      2 Minuten - Eieruhr stellen - können da schon ausreichen.

      Erster Übungsaufbau:

      Futter herrichten, in kleine Happen schneiden, damit er schnell kauen kann und Du mehr von einer regulären Portion hast. Pack' das Futter in eine gut erreichbare Tasche oder Beutel (Jacke, Weste, Futter- oder Bauchtasche).

      Dieser Ablauf ist dem Clickertraining entlehnt, kommt aber auch ohne Click aus, wenn Du schnell genug fütterst: Wissenschaft sagt, 0,5 Sekunden nach dem gewünschten Verhalten gibt die Verknüpfung zum Verhalten. Längere Zeitabstände haben das Risiko, dass Du andere Verhalten zwischen gewünschtem Verhalten und Fütterung eingeschoben bekommst.

      Daher würde ich Dir raten, das Greifen in die Tasche und Futter rausholen erstmal trocken zu üben, damit das flüssig wird.

      Du fängst an mit langsamer Gegenkonditionierung, dann Desensibilisierung.

      Kannst Du im Moment so nahe an ihm stehen, dass Du mit ausgestrecktem Arm füttern kannst? Oder lässt er Dich garnicht so nahe heran ohne Abwehrreaktionen zu zeigen?

      Fall A: Du bleibst in der Distanz stehen, wo er neutrales Verhalten zeigt: weder den Wunsch nach Weggehen/Ausweichen, noch Aggression. Hier fütterst Du.

      Fall B: dann brauchst Du eine Schüssel, in die Du Futter werfen kannst während Du an der Distanz "spielst".

      Stell' Dir einen Timer und bestärke im ersten Schritt nur 2 Minuten neutrales Verhalten in Deiner Reichweite.

      Trainingsende.

      Das wiederhole, gerne auch mehrmals täglich mit Pausen dazwischen, bis Du die Distanz verkürzen kannst.

      WICHTIG! Du gehst NICHT über die Distanz hinaus, bei der er Abwehrverhalten zeigen würde. Jedes Mal, wenn er dieses Verhalten "üben" kann, prägt sich das tiefer in sein Repertoire ein. Du willst aber dieses Verhalten beseitigen und durch ein akzeptables Verhalten ersetzen. Er kann nicht zwei Dinge gleichzeitig tun: aggressiv sein und ruhig stehen ist zur gleichen Zeit nicht möglich.

      Je mehr Du ruhiges Stehen bekommst, umso weniger wird sich im gleichen Zeitraum die Aggression zeigen. Ruhiges Stehen wird ein Verhalten, dass es sich lohnt = Futter, zu zeigen.

      Wenn Du nahe genug an ihm dran bist, dass Du ihn streicheln KÖNNTEST - bitte nicht tun - melde Dich!

      Bzgl. Besuch: bitte nicht unangekündigt. Wir sind mitten in Umbauten und evtl. dann gerade am Schaufeln, Baggern oder Müll schleppen :)

      Thema Hierarchie/Chefposition: dieser Theorie hänge ich nicht mehr an. Ich ziele mittlerweile darauf ab, solche Fragen entweder mittels Management oder Training zu lösen. Aber das würde den Rahmen hier sprengen.

      Vor allem, jegliche dominanzgeprägten Erziehungsversuche würden im Moment euer Verhältnis nur noch mehr belasten.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • Nachtrag: sollte er während einer Trainingseinheit weggehen - lass' ihn. Mach' kurze Pause - Du bist dann grade mal über seine Toleranzdistanz/-schwelle gekommen und lieber geht er weg, als dass er aggressiv reagiert.

      Nach der Pause fragst Du wieder und wenn er ruhig stehen kann, bestärkst Du das erneut mit Futter.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen