Angst vor SturmGeräuschen, wie beruhigen?

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    • Angst vor SturmGeräuschen, wie beruhigen?

      Hallo zusammen. Im Forum habe ich nichts Passendes gefunden, daher dieser Beitrag. Ich wohne im hohen Norden zwischen den Meeren und aktuell schneit es (MAL WIEDER :thumbdown: ) und stürmt recht amtlich. Meine Schafe haben keine Locken mehr, also echt pustig! Meine rangniedrige ZZ hat echt Angst vor den Sturmgeräuschen und zittert wie Espenlaub. Das liegt vor allem daran, dass es sogar der ranghohen ZZ nicht geheuer ist. Sie guckt sich ständig um und läuft nervös durch den Stall. Dadurch bekommt Amy noch mehr Angst. Wenn ich im Stall bin und gut zurede, beruhigen sie sich wieder.

      Was macht ihr, um euren Tieren die Angst etwas zu nehmen. Wenn ich die ganze Zeit im Stall bleibe und ihr die Klaue halte, ist das ja eher kontraproduktiv.

      Vor Geräuschen wie zum Beispiel Feuerwerk, Motorsäge usw haben sie alle keine Angst, weil sie sehen können woher die Geräusche herkommen. Den Wind sehen sie halt nicht.

      Bin für Tipps dankbar und hoffe allen geht es bei diesen Wetterlagen gut.

      LG, Simo
    • Hallo Simo,

      wie verhalten sich die Tiere denn, wenn sie draußen sind?
      Und inwieweit bist Du der Chef?

      Wären es meine Tiere, würde ich mit ihnen gerade mal in solch fiesen Wetterlagen draußen sein. Anhand Deines Verhaltens (ruhig, entspannt) orientieren sie sich dann vielleicht doch an Dir und fühlen sich durch Dich beschützt. Wenn Du sie dann entspannt wieder in den Stall bringst, könnte es- vorausgesetzt, ihr übt dies mehrmals, der Angst entgegenwirken.
      So quasi eine Desensibilisierungsmaßnahme...

      Vielleicht auch leckere Zweige, duftendes Heu im Stall als Belohnung danach kredenzen.


      Und ich denke, weil diese Wetterlagen ja sehr häufig vorkommen in Deiner Gegend, werden sie ( die Tiere)doch irgendwann 'abstumpfen'. Einfach mal probieren. Du kannst ja wirklich nicht ständig um sie herum sein.

      Viel Erfolg und Grüße an die Angsthäschen

      Elli :)
    • Hallo Elli, sie halten mich für den Chef, der für sie das Beste will und weiß, was gut und richtig ist. Da vertrauen sie mir sehr.
      Wir gehen bei so einem Wetter zusammen auch raus, da ist auch alles ok. Nur im Stall ist es ihnen bei dem Wetter nicht geheuer :S da fühlen sie sich halt in der Falle im Gegensatz zur offenen Weide.

      Die Wetterlage hat sich seit letztem Jahr in meiner Gegend stark verändert, es wird immer extremer. Sei es Hitze, Schnee, Sturm. Daher sind sie nicht so abgestumpft, wenn es mal wieder extremer ist. Aber wie gesagt: nur wenn der Wind so heult und sie im Stall sind.

      Amy verfällt in solchen Situationen in eine Art "Baby-Modus" und ich muss das Baby beschützen.

      Zwar klappt es inzwischen gut, dass sie selbständiger wird, aber halt nicht immer.

      Deswegen bin ich etwas ratlos :/

      LG, Simo
    • was ich dazu noch sagen muss: ursprünglich kommen Martha und Amy aus einem Tierpark (StreichelZoo) und wurden verkauft, weil Amy aus Angst vor den grabschenden, schreienden, umher rennenden Kindern paralysiert in der Ecke stand und Martha aus BeschützerInstinkt alles und jeden weg geboxt hat. Inzwischen geht Amy auch mal auf meinen Hammel los, wenn sie mal wieder auf einem Superman Heft geschlafen hat :D

      Ich glaube solch beängstigende Geräusche versetzen sie vielleicht in die damalige schlimme Zeit zurück. Ist aber nur eine Vermutung von mir.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Simo ()

    • Simo schrieb:


      Nur im Stall ist es ihnen bei dem Wetter nicht geheuer :S da fühlen sie sich halt in der Falle im Gegensatz zur offenen Weide.
      Wäre Offenstallhaltung eine Option?

      Simo schrieb:

      was ich dazu noch sagen muss: ursprünglich kommen Martha und Amy aus einem Tierpark (StreichelZoo) und wurden verkauft, weil Amy aus Angst vor den grabschenden, schreienden, umher rennenden Kindern paralysiert in der Ecke stand und Martha aus BeschützerInstinkt alles und jeden weg geboxt hat. Inzwischen geht Amy auch mal auf meinen Hammel los, wenn sie mal wieder auf einem Superman Heft geschlafen hat :D

      Ich glaube solch beängstigende Geräusche versetzen sie vielleicht in die damalige schlimme Zeit zurück. Ist aber nur eine Vermutung von mir.
      Ja, das könnte wirklich auch mit ein Grund sein. Und verständlich allemal.

      Wobei ich auch mal hier irgendwann las, dass Ziegen& Schafe nicht die gleiche Sprache sprechen und die Ziegen meist recht dominant den Schafen gegenüber auftreten können.

      ...was aber Euer Problem mit den Sturmgeräuschen auch nicht löst. Mehr fällt mir dazu leider nicht ein. Ich denke, Du machst das schon alles sehr gut- auch Deine Empathie gefällt mir!

      LG Elli
    • Hallo Elli,

      Also was die Dominanz angeht, da schenken sich meine Schafe und Ziegen nichts :D wir werden bald umziehen und da gekommen sie ein Gartenhaus mit mehreren Eingängen und niedrigeren Fenstern, damit sie sich nicht "eingesperrt" fühlen. Aktuell ist es ein gemauerter Stall mit einem breiten Eingang. Da es ein ehemaliger KuhStall ist, sind die Fenster sehr hoch. Daher sehen sie halt nicht genau, was draußen los ist und so gruselig klingt. Zukünftig wird es hoffentlich besser :)

      LG, Simo
    • Vielleicht hast Du einen Wolfsziegel

      de.wikipedia.org/wiki/Wolfsziegel

      auf dem Stalldach oder eine flachliegende Bierflasche vergessen?
      _______________

      Tierliebe: Sie knuddeln, knutschen, streicheln, schlecken sie ab, ihre Samtpfoten, Fellnasen, Bidülchen, "Familienmitglieder", Seelenverwandten, heulen Rotz und Wasser im Fall von Krankheit und Tod, lassen einäschern und verwahren Urne und Foto auf dem Sideboard.
      Dann stehen sie an der Fleischtheke und sagen: "800 gr Gulasch, bitte, gut abgehangen."
    • oh ich glaube du wirst dir paar ZZ mehr zulegen müssen, damit eine kleine Herde entsteht.

      Es kann keine richtige Rangfolge entstehen. Wären noch mehr ZZ da würde sie sich geborgen fühlen, kann sich unsichtbar unter den anderen machen ohne zu leiden.

      Sie findet ihren Platz und ihre Sicherheit.

      LG
      Sage niemals nie!
    • Da gebe ich dir grundsätzlich absolut Recht, zwei Tiere sind natürlich keine Herde. Sie waren allerdings jeweils immer maximal mit einem weiteren Tier zusammen. Herdenverband haben sie mit Ziegen nie kennen gelernt. Ich halte sie mit Zwergschafen zusammen und sie halten diese tatsächlich für ihre Herde. Klingt unglaubwürdig, ich weiß. Ich würde es auch nicht glauben, wenn ich es nicht jeden Tag mit erleben würde. Mit weiteren Ziegen würde Amy in der Rangfolge immer ganz unten sein, mit den Schafen versteht sie sich prächtig und blüht auf. Martha übrigens auch :)

      LG
    • Angst verstärken durch streicheln: ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Angst kann nicht verstärkt werden, sie ist da oder nicht.

      Was Du machen kannst, ist gegenkonditionieren durch Aufmerksamkeit, Körperkontakt, Füttern (sofern sie in der Lage sind, Futter zu nehmen) = Dinge, die positive Emotionen aktivieren, denn dadurch wird den Angstkreisläufen gegengesteuert.

      Das zittern kann auch Frieren sein.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • sanhestar schrieb:

      Angst verstärken durch streicheln: ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Angst kann nicht verstärkt werden, sie ist da oder nicht.
      Hallo Sabine,

      oh, das interessiert mich! Gibt es darüber Literatur( bitte in Deutsch)

      Wir haben eine Hündin, die in der Silvesternacht ziemlich panisch war. Sie orientiert sich ( typisch Hund etc.) immer an uns Menschen- wie wir gemütsmäßig 'drauf sind'.

      Das Streicheln und 'Bestärken' unterlassen wir nämlich in solchen Situationen immer, denn am Anfang hatte ich das aus Unwissenheit gemacht- sie gekrault und versucht, ihr die Angst zu nehmen. Das Ende vom Lied war, dass sie immer ängstlicher wurde.

      Mittlerweile ist sie zwar noch recht ängstlich in der Silvesternacht aber fügt sich ihrem 'Schicksal, weil mein Mann einfach weiter TV schaut und sie nicht großartig beachtet wird.

      Sollen wir sie also jetzt trösten? Das empfinde ich jedoch definitiv als 'Bestärkung'...

      LG Elli
    • Hallo Sabine und Elli,

      Ich glaube es liegt ein Missverständnis vor: ich verstärke zwar die Angst nicht durch sofortiges Streicheln, aber ich belohne dadurch das Verhalten. Somit denkt Amy,dass Angst haben etwas Positives ist bzw eine Belohnung nach sich zieht. Daher streichel ich sie erst, wenn sie runterfahren hat. Dann kann sie auch fressen, im Angststand ist sie dazu nicht in der Lage wegen Tunnelblick.
      Bzgl frieren: sie hat normale Temperatur, es liegt tatsächlich nur an der Angst. Sobald sie sich beruhigt oder der Wind abnimmt, ist sie wie ausgewechselt.

      Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt mir und der kleinen Maus zu helfen! :thumbsup:

      LG, Simo
    • ElliBesch schrieb:

      sanhestar schrieb:

      Angst verstärken durch streicheln: ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Angst kann nicht verstärkt werden, sie ist da oder nicht.
      Hallo Sabine,
      oh, das interessiert mich! Gibt es darüber Literatur( bitte in Deutsch)

      Wir haben eine Hündin, die in der Silvesternacht ziemlich panisch war. Sie orientiert sich ( typisch Hund etc.) immer an uns Menschen- wie wir gemütsmäßig 'drauf sind'.

      Das Streicheln und 'Bestärken' unterlassen wir nämlich in solchen Situationen immer, denn am Anfang hatte ich das aus Unwissenheit gemacht- sie gekrault und versucht, ihr die Angst zu nehmen. Das Ende vom Lied war, dass sie immer ängstlicher wurde.

      Mittlerweile ist sie zwar noch recht ängstlich in der Silvesternacht aber fügt sich ihrem 'Schicksal, weil mein Mann einfach weiter TV schaut und sie nicht großartig beachtet wird.

      Sollen wir sie also jetzt trösten? Das empfinde ich jedoch definitiv als 'Bestärkung'...

      LG Elli

      Feuerwerk ist in dieser Hinsicht problematisch, weil die Konditionierung/Gegenkonditionierung nicht sauber gesteuert werden kann, da die Reize zu dicht aufeinander folgen.

      Gegenkonditionierung funktioniert wie folgt:

      lautes Geräusch - Streicheln oder Futter = das laute Geräusch wird zum Signal dafür, dass etwas angenehmes folgt. Das laute Geräusch selber wird mit der positiven Konsequenz verknüpft.

      lautes Geräusch - Streicheln/Futter - lautes Geräusch - Streicheln/Futter = in solch einer Kette wird das Streicheln/Futter zum Signal, dass ein lautes Geräusch folgen wird. Das Streicheln wird mit der negativen/angstauslösenden Konsequenz verknüpft.

      Man könnte das umgangssprachlich mit Angst verstärken übersetzen, aber was passiert ist, dass man andere Auslöser in den Angstzyklus "hinein zieht", wenn man nicht beachtet, wie das Tier auf die positive Aufmerksamkeit/Futter reagiert/was es davon als Lernerfahrung mitnimmt.

      Solange Tiere sich allerdings beruhigen durch Körperkontakt oder Futter oder Ablenkung, reduziert sich die Angst, weil das zwei getrennt voneinander arbeitende Emotionen im Gehirn sind.

      @Simo: Angst ist eine Emotion, kein Verhalten. Und schon alleine durch das herumlaufen findet ein Verstärkungsprozess statt, denn das Herumlaufen lindert die Angstvorgänge im Körper = negativ verstärkt durch Reduzierung der Angst.

      Wenn Du jedoch durch Gegenkonditionierung ein anderes Verhalten trainieren kannst, dass auf gleiche Weise zur Angstreduzierung führt, kannst Du das herumlaufen, etc. umlenken.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • nein, Du übst ein Verhalten ein, dass gegenläufig zum herumlaufen ist.

      Entspanntes Stehen z.B. oder Kopf senken = wirkt beruhigend.

      Dies übst Du in entspannten Situationen intensiv, bestärkst das viel und oft.

      Dann steigerst Du die Geräuschkulisse, z.B. indem Du Musik, etc. spielst oder Sturmgeräusche auf Band, usw. und fragst das alternative Verhalten dabei ab.

      Du musst auf eine so hohe Bestärkungsrate kommen, dass sie dieses Verhalten auch unter Stress zeigen kann.

      Beim Kopfsenken entwickelt sich oft eine Eigendynamik, weil die Tiere erkennen, wie sie selbst damit ihre emotionalen Reaktionen steuern können und sie fangen dann in angespannten Situationen an, das selbst zu machen.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen