Gemischte Fragen zu Schafen und Ziegen

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    • Gemischte Fragen zu Schafen und Ziegen

      Guten Tag

      Ich habe viele Fragen zur Haltung von Schafen und Ziegen.

      Ich denke über die Anschaffung einer kleinen Herde Ziegen gemischt mit Schafen nach. (Milchschafe und Milchziegen sollen allesamt Gebirgstauglich sein)
      Dabei stellen sich mir noch folgende Fragen:

      1.) Kraftfutter:
      Wie notwendig sind gaben von Kraftfutter, was sind die Vorteile/Nachteile seinen Tieren Kraftfutter zu reichen? Gibt es bei Kraftfutter noch etwas zu beachten?
      (Ich gehe davon aus Kraftfutter ist bspw Hafer oder Brot)

      2.) durchmelken
      Kann man Schafe durchmelken? Hat jemand Erfahrung damit?

      3.) Können Schafe /Ziegen auch während Wanderungen wiederkäuen?

      4.) Rasse

      4a) Schafe
      Ich suche idealerweise eine Gebirgstaugliche zutrauliche Milch-Schafrasse für eine kleine Herde (7-9 Tiere).
      Welche Rassen sind zu empfehlen?

      4b) Ziegen
      Bei Ziegen tendiere ich zu den Toggenburger als widerstandsfähige Gebirsziegen mit doch ordentlicher Milchleistung.

      5.) Wird Schafs/Ziegenmilch genauso sauer wie rohe Kuhmilch?

      6.) Rechtliches
      Soweit ich weiß muss ich mir vor der Anschaffung der Tiere eine landwirtschaftliche Betriebsnummer geben lassen (auch wenn ich sie privat halten will).
      Welche Amtsgänge sind noch vorgeschrieben?

      7.) Ohrmarken
      Ich finde es sehr schade, dass es um die Ohrmarkenpflicht scheinbar keinen Weg drumherum gibt.
      Falls es einen Weg gibt das zu vermeiden bin ich für alle Vorschläge offen.

      8.) weitere Kosten
      Gibt es noch andere Kosten die entstehen, bspw. eine Ziegen/Schaf-steuer?
      Oder ist die Versorgung der Tiere das einzige was ich kostenmäßig einplanen muss?


      Schonmal im voraus vielen Dank für alle Antworten und Anregungen.

      Liebe Grüße

      ZiegenSchafe
    • ZiegenSchafe schrieb:

      1.) Kraftfutter:
      Wie notwendig sind gaben von Kraftfutter, was sind die Vorteile/Nachteile seinen Tieren Kraftfutter zu reichen? Gibt es bei Kraftfutter noch etwas zu beachten?
      (Ich gehe davon aus Kraftfutter ist bspw Hafer oder Brot)
      Kraftfutter ist reich an Eiweiß und Kohlenhydraten, es liefert schnell, viel Energie. Typisches Kraftfutter sind Getreide, Rübenschnitzel, Soja- oder Rapsschrot.
      Die Menge sollte immer davon abhängig gemacht werden, wieviel Energie die Tiere verbrauchen, ob sie außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt sind.
      Ein Kastrat, der den ganzen Tag auf der Weide und im Stall ist, braucht weniger Energie als eine Hochleistungs-Milchziege oder ein trächtiges Tier.

      Zuviel Kraftfutter macht die Tiere dick und träge, so wie uns Menschen, wenn wir zu viel Fett, zu viel Zucker zu uns nehmen.
      Aber bei Ziegen und Schafen gibt noch ein weiteres Problem: ihr Verdauungssystem, insbesondere der Pansen, ist auf eher karge, rauhfaserreiche, eiweiß- und kohlenhydratarme Ernährung spezialisiert. Zuviel Eiweiß und Kohlenhydraten (dazu gehört auch der Fruchtzucker in Obst und Gemüse oder das Eißweiß von kleereichen Wiesen oder Luzernenheu) kann den Pansen übersäuern, und die Mikroorganismen, die die Nahrung für Schaf und Ziege "vorverdauuen", sterben ab. Dann leidet die Nährstoffversorgung und die Leistungsfähigkeit lässt nach, Leber und Nieren können geschädigt werden, so dass der Organismus sich schleichend selbst vergiftet. Starke Übersäuerung kann zum Pansenstillstand und damit zum Tod führen. Darum ist Sparsamkeit mit Kraftfutter angeraten, der Schaden kann schnell viel größer sein als der Nutzen.

      Auf Brotfütterung würde ich ganz verzichten. Allenfalls hin und wieder kleine Stücke gut getrocknete Rindenabschnitte als besonderes Lekkerli.


      ZiegenSchafe schrieb:

      3.) Können Schafe /Ziegen auch während Wanderungen wiederkäuen?
      Wenn man sie dazu zwingt, ja. Aber nicht regelmäßig und nicht auf Dauer, die Gesundheit leidet da sehr. Zum Wiederkäuen den Tieren gute zwei Stunden Ruhepause gönnen.

      Was für Strecken möchtest Du gehen? Je nach Streckenlänge und Gelände wirst Du die Tiere langsam angewöhnen, trainieren müssen. Auch abhängig davon, wo Du sie herbekommst, ob sie schon an solche Bewegung gewöhnt sind.


      ZiegenSchafe schrieb:

      6.) Rechtliches
      Soweit ich weiß muss ich mir vor der Anschaffung der Tiere eine landwirtschaftliche Betriebsnummer geben lassen (auch wenn ich sie privat halten will).
      Welche Amtsgänge sind noch vorgeschrieben?
      Richtig. In Deutschland läuft der Antrag für die Betreibsnummer je nach Bundesland über Veterinäramt / Amtstierarzt oder die Tierseuchenkasse. Wenn Du die Tiere bekommst, musst Du sie mit dieser Betriebsnummer auf Dich anmelden, und dann immer einmal im Jahr (meist ist der Stichtag im Januar) eine Bestandsmeldung machen. Das geht mittlerweile online.


      ZiegenSchafe schrieb:

      7.) Ohrmarken
      Ich finde es sehr schade, dass es um die Ohrmarkenpflicht scheinbar keinen Weg drumherum gibt.
      Falls es einen Weg gibt das zu vermeiden bin ich für alle Vorschläge offen.

      Das Gesetz sagt ganz klar: Ohrmarken müssen sein. Hält man sich nicht daran, kann Bußgeld auferlegt werden, bis hin zur Erzwingungshaft oder Beschlagnahmung der Tiere, wenn man sich weiter weigert und / oder nicht zahlt. Da muss jeder selbst für sich entscheiden, was er riskieren will.

      ZiegenSchafe schrieb:

      8.) weitere Kosten
      Gibt es noch andere Kosten die entstehen, bspw. eine Ziegen/Schaf-steuer?
      Oder ist die Versorgung der Tiere das einzige was ich kostenmäßig einplanen muss?

      Beiträge zur Tierseuchenkassen. Schafhaltung fällt meines Wissens in allen deutschen Bundesländern unter die Beitragspflicht. Ziegenhaltung nur in manchen Bundesländern.
      Wenn Du Milch oder Milchprodukte verkaufst, oder sonstiges Einkommen durch die Tiere hast, z.B. Landschaftspflege als Dienstleistung anbietest, sind die Einnahmen zu versteuern.

      Ansonsten kostet "nur" der Unterhalt der Tiere: Futter, Tierarzt, Medikamente, Pflegemittel, Zubehör, evtl. Pacht für die Weide usw. Und natürlich Investitionen in Stall, Umzäunung, ggf. Gerätschaft zur Milchverarbeitung, etc.


      Gibt es denn einen speziellen Grund, warum Du Schafe und Ziegen zusammen halten möchtest? In der Landschaftspflege kann die Kombination von Vorteil sein, weil die Tiere unterschiedliche Futtervorlieben haben - die Schafe gehen eher aufs Gras, die Ziegen eher auf Büsche, Sträucher, Hecken.
      Aber gemischte Herden können auch Probleme aufwerfen. Ziegen können recht ruppig werden und Schafe arg drangsalieren. Besonders gehörnte Ziegen gegen unbehornte Schafe kann arg zu Ungunsten der Schafe ausgehen, teils auch mit Verletzungen. Generell würde ich, wenn gemischt, darauf achten, dass die Schafe mengenmäßig in der Überzahl bleiben und die Schafe mindestens gleich groß und schwer sind wie die Ziegen. Bei einer großen Weide können die Schafe den Ziegen in der Regel ausweichen. Aber im Stall muss besonders darauf geachtet werden, dass die Schafe nicht zu kurz kommen - z.B. von den Futterstellen verdrängt, in Ecken eingekeilt und geboxt oder gleich ganz aus dem Stall vertrieben werden. Mehrere Ein- und Ausgänge und verschiedene Futterstellen im Stall verteilt können die Lage entschärfen.

      Mineralfutter sollte für Schafe kupferfrei sein oder allenfalls sehr geringe Mengen enthalten. Sie sind anfällig für Kupfervergiftung. Ziegen dagegen haben einen etwas höheren Kupferbedarf und vertragen etwas mehr davon. Das heißt, wenn Du Mineralfutter zugibst, entweder verschiedene Sorten für Schaf und Ziege geben und das stikt getrennt halten. Oder generell kupferfreies Mineralfutter anbieten. Dann die Ziegen gut im Auge behalten, und ihnen gegebenenfalls gezielt ein Kupferpräparat zugeben wenn es Anzeichen für Unterversorgung gibt.

      Bei der Entwurmung kann man für Schafe und Ziegen das gleiche Präparat nehmen, aber Ziegen brauchen in der Regel die doppelte Schafdosis.
    • Hallo,

      ich halte auch Schafe und Ziegen und kann nur bestätigen, dass Ziegen zu den Schafen manchmal recht ruppig sind. Insbesondere keine behornten Ziegen zu unbehornten Schafen. Das kann böse ausgehen. Deshalb halte ich Schafe und Ziegen getrennt, da auch die Bedürfnisse anders sind.

      Hier in NRW bekommst Du eine Betriebs-Nr. bei der Tierseuchenkasse und musst die Tierhaltung beim Veterinäramt anzeigen.
      In die Tierseuchenkasse muss man einzahlen für die Ziegen- und Schafhaltung. Dann musst Du die Schaf- und Ziegenhaltung Deiner landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft melden, wo man ab einer bestimmten Grundstücksgrösse versichert ist. Da fallen auch noch mal Kosten an. Ggf. braucht man noch eine Haftpflichtversicherung für die Tiere. Insbesondere, wenn man mit den Tieren wandern will. Du musst ein Bestandsregister führen, wenn Du die Tiere hast.

      So hat sich mein grosser schwarzer Ziegenbock einmal mit meinen kastrierten Schafbock angelegt. Da waren beide noch jung und übermütig. Der Ziegenbock sprang zu der Zeit noch lustig über die Zäune, wenn ihm danach war. Er lief aber nie weg. Der Ziegenbock war klar im Vorteil mit seinen Hörnern. Gottseidank kam ich rechtzeitig, sodass der Schafbock nur ein paar leichte Blessuren im Kopfbereich hatte.

      Grüsse
      HenryvondrrWeide
      Grüsse
      HenryvonderWeide
    • Vielen Dank für eure Antworten.

      Ich wollte sie ursprünglich zusammenhalten weil ich Lust auf die hochgelobte Schafsmilch hatte und weil sie keine Futterkonkurrenten sind.

      Aber wie es aussieht bleibe ich wohl ganz bei Ziegen.

      Vielen Dank für eure Gedanken und Erfahrungen.

      LG
      Ziegenschafe