Lämmchen schlachten mit 2 Wochen

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    • Lämmchen schlachten mit 2 Wochen

      Hi Freunde

      Ich habe vor einiger Zeit von Leuten, die ich eigentlich richtig gerne mag, erfahren, dass sie ihre Ziegenkitze bereits mit zwei Wochen regelmäßig schlachten lassen. Sie leben von der Milch, die die Ziegen geben und haben zwischen 160 und 200 neue Kitze - zweimal im Jahr. Nur die allerbesten werden großgezogen, das sind ca 60 Lämmer (auch im Jahr). Der Rest geht überwiegend mit zwei Wochen zum Schlachthof.

      Als ich das hörte, konnte ich es gar nicht glauben. Diese Menschen sind so nett, so einfühlsam, liebenswert und hilfsbereit (habe ich oft erlebt als Heidi so schwer dran war, und Erika haben sie mir als Gesellschafterin für Heidi auch geschenkt), dass ich dachte, ich müsste mich wohl im Augenblich in einer Realitätsblase befinden - ein Albtraum oÄ wäre auch möglich gewesen.

      Doch nein, auch auf mehrfaches Nachfragen bestätigte mir die Dame, dass das tatsächlich so zutrifft. Sie erklärte mir, dass der Hof nunmal von der Milch lebe und die Kleinen mit zwei Wochen bereits ein Gebiss entwickeln würden, das die Euter der Mütter beschädige. Da sie ein Bio-Hof sind, könnten sie keine Antibiotika einsetzen weil sie dann keine Bio-Milch mehr bekommen und ihr Vertragspartner, eine sehr große Molkerei, die Milch auch nicht mehr verwenden würde. Außerdem kann niemand mit regelmäßig 320 bis 400 neuen Tieren im Jahr, wovon ca die Hälfte Böckchen sind, einen Hof wirtschaftlich führen.
      Auf meine Frage, dass doch an den Babys gar nichts dran sei erfuhr ich, dass sie den Hunden gefüttert werden.

      Ich war sehr zerrissen und entsetzt, geradeso als hätte man mir den Teppich unter den Füßen weggezogen, und das sagte ich den Leuten auch. Daraufhin nahm mich die Dame verbal in den Arm und meinte, dass sie mich sehr gut verstehen würde. Der Schlachthof, zu dem sie die Kleinen bringt, ist nur wenige Km entfernt und sie werden kurz und schmerzlos mit einer elektrischen Zange getötet.
      Durchmelken wäre auch keine Option da sie in absehbarer Zeit zu wenig Milch bekämen um die Quote vertragsgemäß erfüllen zu können.

      Sie meinte auch, dass es wohl eine zweite Möglichkeit gäbe und wie ich entscheiden würde, was mit den kommenden Kitzen (in ca. 3 Wochen werden sie geboren) geschieht.
      Diese zweite Möglichkeit wäre, die Kitze nach Frankreich zu fahren (fast 900 Km Entfernung) und sie dort zu einem Mäster zu geben, der sie dann mit 10 bis 12 Wochen schlachten lässt. Die Lebenszeit beim Mäster wäre zwar länger, aber schön sei sie sicher nicht.

      Ich finde das Eine so schlimm wie das Andere und habe es bis jetzt noch nicht verarbeitet, obwohl schon etliche Tage vergangen sind. Ich weiß doch jetzt ganz genau, wie die Babys mit zwei Wochen aussehen...
      Eine Lösung habe ich auch nicht und natürlich verstehe ich das Problem verstandesmäßig. Emotional aber machts mich zur Zeit total fertig...

      LG
      Brigh


      P.S.

      Ich hätte von mir erwartet, dass ich solche Menschen unverzüglich aus meinem Herzen hinauswerfen und nicht mehr anschauen würde. Aber auch da - Fehlanzeige! Ich mag sie immer noch, sie sind meine Freunde. Und ich verstehe sie ja wirklich, aber ...

      Ich habe mir auch überlegt, dass ich meinen Freunden ein paar Lämmchen abkaufen kann - zum Schlachtpreis eben, doch hoch kann der nicht sein. Wenn ich hier bei euch Menschen finde, die die Kleinen (oder auch nur eins) gerne haben möchten und bereit sind, ihnen ein artgerechtes und glückliches Leben (bis zu ihrem natürlichen Ende!) bieten wollen, würde ich sie den jeweiligen Leuten schenken.
      Es sind richtig "gute" Ziegen soweit ich das weiß, BDE und WDE. In dem Fall bitte melden. Wir haben noch insgesamt ca. 4 - 5 Wochen Zeit.

      Würde ich einen Hof, ein Gut oder etwas in der Art erben, bei mir wäre es in kürzester Zeit ein Gnadenhof, das ist absolut sicher. Doch wovon würde ich dann leben? Bin ich froh und dankbar, dass ich nicht solche Entscheidungen treffen muss!

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Brigh ()

    • es gibt andere Möglichkeiten aber die können nicht von jedem umgesetzt werden.

      Zum einen könnten die Leute selber die Lämmer mästen bzw. aufziehen bis zur 12. Woche. Ob das machbar ist, hängt aber davon ab, wie viel Stallfläche ihnen zur Verfügung steht.

      Ich habe letztes Jahr einen Ziegenmilchbetrieb besucht in den neuen Bundesländern. Die haben ungefähr die gleiche Menge an Lämmern und ziehen ALLE Lämmer auf. Die weiblichen Tiere werden verkauft oder gehen in die Herde, die Bocklämmer werden mit 12 Wochen (oder etwas älter) geschlachtet und vom Betrieb selber vermarktet.

      Alle Lämmer werden mit Ersatzmilch aufgezogen, leben in Gruppen von ca. 10 - 15 Lämmern in extra Abteilen. Der gesamte Ziegenbestand lebt in einer ehemaligen LPG-Stallanlage, das ist ein grosser Stallkomplex mit genug Licht und Platz.

      Dass die Ziegen beim durchmelken zuwenig Milch produzieren, kann ich mir schwer vorstellen. Ich habe selber Ziegen aus Milchleistungslinien, die produzieren sogar ohne Lämmer jedes Frühjahr Milch und die könnte ich, wenn ich das wöllte, mit Kraftfutter entsprechend "pushen", um grosse Mengen zu bekommen.

      Ich denke, die Frau sollte sich mal mit anderen Milchziegenbetrieben in Verbindung setzen und sich andere Ideen holen.

      Hier kamen meine Toggis her
      guelzer-geissen.de/index.html

      Aber ja, das Schicksal der überzähligen Lämmer ist kein schönes. Ich hatte allerdings gehofft, dass sich das in den letzten Jahren gebessert hätte. Vor 10 Jahren war das gang und gäbe, mit der erhöhten Nachfrage nach Ziegenfleisch wurde es jedoch immer lohnender, die Lämmer zur Schlachtreife aufzuziehen.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • Ich glaube man trifft da einfach andere Entscheidungen, wenn man davon lebt als wenn man das ganze nur als Hobby und aus Tierliebe betreibt.
      Wäre Ziegenhaltung dein Beruf wärst du dazu gezwungen, ähnlich zu handeln.
      Ich persönlich bin froh, wenn ich bei meiner Ziegenhaltung immerhin kein Geld verliere... Dh augaben für Futter, Zäune etc versuche ich durch Kitzverkauf wieder reinzubekommen. Pacht muss ich zum Glück keine zahlen.
      Leben kann ich von meiner Ziegenhaltung nicht.

      Wenn ich das wollte müsste ich 1.) mehr tiere halten 2.) mehr tiere auf weniger platz halten 3.) Lämmer nicht so lange bei der Mutter lassen 4.) eine andere Rasse halten, die auf Leistung ausgerichtet ist

      etc...

      Der gravierende unterschied ist schlicht, dass du das geld woanders her bekommst und diese Leute eben mit ihren Tieren Geld machen.

      Und an sich ist es doch egal, ob das tier geschlachtet wird, solange es ein schönes leben hatte.

      Ich kenne einen Bioland hof bei uns in der Nähe. Da werden die böckchen mit vier Monaten geschlachtet, die Mädels werden entweder verkauft oder großgezogen als Milchziegen. Alttiere werden geschlachtet und kommen in die Salami.
    • Tja, ich kann Dich sehr, sehr gut verstehen, Brigh. Als Landwirt wäre ich nach spätestens einem Jahr bankrott. Ich wünsche Dir, dass Du beruflich sehr erfolgreich bist/gut erbst und Dir dann einen Gnadenhof leisten kannst. :)

      Diese Woche habe ich im Vorbeigehen eine dieser Zoosendungen im Fernsehen gesehen. Da wurde gerade ein halbes Ziegenkitz mit einem Seil wo angebunden, damit sich eine Hyäne etwas anstrengen musste, um an ihr Futter zu kommen. Zootiere müssen schließlich auch fressen.

      Die vielen männlichen Küken landen auch als/im Tierfutter. Alles Dosenfutter ist in der Hauptsache "Huhn", das macht das Gros aus. Die "Geschmacksrichtung" auf dem Etikett ist das namensgebende Extra. "Geschmacksrichtung Ziege" ist aber noch recht selten, muss ich sagen.

      Meine Großeltern väterlicherseits waren vom Land. Sie lebten von der Landwirtschaft und ihrer Gaststätte auf dem Dorf. Dennoch schnürte es ihnen jedes Mal den Magen zu, wenn der Schlachter zum Schweineschlachten kam. Dann gab's Blutwurst und Schlachtplatte für die Gäste; der Familie selber aber war der Appetit vergangen.

      Die Schweine hießen immer abwechselnd Fritz oder Hans, und wenn jede Woche der Schweinestall gründlich geschrubbt wurde, wurde auch das Schwein gewaschen und gebürstet, was immer sehr gut ankam bei den Tieren. Im Anschluss rannte das Schwein wie bekloppt mit einem Stofffetzen im Maul kreuz und quer über den Hof, bis es trocken war und in den Stall zurück musste. Freilandhaltung gab's da nicht.

      Meine Großmutter erzählte das mit Freude, man merkte richtig, wie toll sie Schweine fand! Aber wenn man sie nach dem Danach fragte, schüttelte sie den Kopf, und meinte, eine Woche lang habe sie keinen Bissen runtergebracht, das eigene Schweinefleisch habe sie selber nie gegessen. Beim Blutrühren habe sie immer geheult. Mein Vater bestätigte, dass er das auch gehasst hatte wie die Pest. Aber sie hätten nun mal eine Landwirtschaft gehabt, da gehörte das eben dazu. Trotz aller Tierliebe.

      Vielleicht ist mein Vater deswegen kein Landwirt geworden? Meine Großmutter hatte mir noch gezeigt, wie man eine Kuh melkt. Ich weiß noch, wie angewidert ich bei der allerersten Berührung einer Zitze war - so eklig weich, schlabbrig, warm! Weiß der Kuckuck, was ich erwartet hatte. Hartplastik? ;) Naja, ich war ja noch nicht einmal in der Schule damals und ein reines Stadtkind.

      Heute habe ich 5 kleine Wiederkäuer, die hoffentlich alle mindestens 24 Jahre alt werden.
    • Wenn man sich selbst vegan ernähren möchte ist das die Entscheidung eines jeden (mündigen) Menschen selbst. Wenn man seinen Kindern und seinem Hund seine Religion aufzwingt sieht das für mich etwas anders aus - aber die Welt werden weder ich noch die anderen retten.

      Zum eigentlichen Thema:
      Ob die Kitze jetzt mit 2 Wochen oder 2 Monaten geschalchtet werden wird ihnen herzlich egal sein. Für einen Außenstehenden hört es sich natürlich erstmal schockierend an, aber du darfst dich dennoch darauf verlassen dass die Personen besten Wissens und Gewissens und auch im rechtlich grünen Bereich handeln - ansonsten wäre eine wirtschaftliche Produktion nicht möglich bzw. würden sich zuständige Stellen darum kümmern alles in den korrekten Bereich zu leiten oder den Betrieb einzustellen.

      Nun zu einigen inhaltlichen Korrekturen:

      Brigh schrieb:

      Sie erklärte mir, dass der Hof nunmal von der Milch lebe und die Kleinen mit zwei Wochen bereits ein Gebiss entwickeln würden, das die Euter der Mütter beschädige.
      Kaum ein Milchbetrieb lässt seine Kitze überhaupt 2 Wochen bei den Müttern. Die kommen entweder sofort oder nach der Biestmilchaufnahme weg und werden mit dem Eimer/Tränkeautomaten aufgezogen.
      Biobetriebe haben hier das Problem, dass nur Vollmilch verwendet werden darf, welche natürlich auch biozertifiziert sein muss und Vollmilch generell teurer ist Milchaustauscher.
      Für das Kitz bekommen sie dennoch kaum mehr als für ein konventionelle, gekostet hat es bis dahin zumindest das Doppelte.

      Brigh schrieb:

      Da sie ein Bio-Hof sind, könnten sie keine Antibiotika einsetzen weil sie dann keine Bio-Milch mehr bekommen und ihr Vertragspartner, eine sehr große Molkerei, die Milch auch nicht mehr verwenden würde.
      Ähm, wo soll ich anfangen?
      Mit 2 Wochen wird ein Kitz bei ausreichend mütterlicher Milchleistung kein Euter zerbeissen. Das beginnt wenn überhaupt später bzw. hauptsächlcih wenn zu wenig Milch oder mehr als 2 Kitze vorhanden sind.
      Ebenso dürfen Biobetriebe Antibiotika einsetzen, jedoch (wie auch konventionelle Betriebe) nur nach Verschreibung eines Tierarztes und mit doppelter Wartezeit. In dieser Zeit DARF die Milch nicht als Nahrungsmittel für Menschen verwendet werden und wird deshalb entweder an Kitze verfüttert oder entsorgt.
      Weiters glaube ich nicht, dass ein Betrieb mit 200+ Milchziegen gänzlich ohne AB auskommt.

      Brigh schrieb:

      Diese zweite Möglichkeit wäre, die Kitze nach Frankreich zu fahren (fast 900 Km Entfernung) und sie dort zu einem Mäster zu geben, der sie dann mit 10 bis 12 Wochen schlachten lässt. Die Lebenszeit beim Mäster wäre zwar länger, aber schön sei sie sicher nicht.
      Alleine der Transport wäre schon nicht schön für die Kitze - 900km (hin und retour) wäre für 2 Monate Lebensverlängerung in Zeiten des Klimaschutzes ebenso Irrsinn.
      Dem Betrieb ist auch kaum geholfen, da die Kitze bis der Nabel abgeheilt ist (1-2 Wochen) nicht transportiert werden dürfen. Dann füttert er sie gleich lang und bekommt kaum mehr dafür.


      Brigh schrieb:

      Es sind richtig "gute" Ziegen soweit ich das weiß, BDE und WDE. In dem Fall bitte melden.
      Die sind aber auch erst dann gut, wenn sie selbst Kitze produziert haben - wenn du mit "richtig gut" nicht die Milchleistung meinst tut es sicher jede andere Ziegenrasse auch.

      Brigh schrieb:

      Würde ich einen Hof, ein Gut oder etwas in der Art erben, bei mir wäre es in kürzester Zeit ein Gnadenhof, das ist absolut sicher.
      Dann hättest du jährlich von nur einem Betrieb 400 Neuzugänge, die bei guter Haltung 15 Jahre alt werden. Wären dann 6.000 Ziegen bis durch das natürliche Ableben die Stückzahl annähernd konstant bleibt. Ist das dann auch Maßentierhaltung oder nur Animal Hording?
      Ich hoffe für dich dass du so einen Hof nicht erbst - nicht weil ich es dir nicht gönne, sondern weil ich keinem die Arbeit wünsche welche 6.000 Ziegen einem bereiten.

      Brigh schrieb:

      Ich mag sie immer noch, sie sind meine Freunde. Und ich verstehe sie ja wirklich, aber ...
      Lass das "Aber" weg und enge deinen Horizont nicht unnötig ein. Wenn sie dir mit deinem Problemkitz geholfen haben kannst du getrost annehmen dass sie sich auch um ihre Tiere zu deren Lebzeiten bestmöglich kümmern #freunde#
      Being a vegan is a missed steak

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Toshihikokoga ()

    • Danke für die vielen Antworten. Später antworte ich jedem einzeln, so wie immer, auf seine Inputs. Vorab möchte ich nur sagen, dass ich jetzt anfangen kann, die ganze Geschichte zu akzeptieren und zu integrieren. Einfach ist das nicht für mich gewesen, weil ich eben noch nie vorher mit dieser Seite des Lebens konfrontiert wurde und daher auch nie gezwungen war, mich damit auseinandersetzen zu müssen.

      Ich muss jetzt weg, melde mich später.

      Bis dahin liebe Grüße
      Brigh
    • @sanhestar

      sanhestar schrieb:

      Zum einen könnten die Leute selber die Lämmer mästen bzw. aufziehen bis zur 12. Woche. Ob das machbar ist, hängt aber davon ab, wie viel Stallfläche ihnen zur Verfügung steht.
      Es ist schon ein großer Stall, aber wenn alle erwachsenen Ziegen drin sind, ist er gut gefüllt.

      sanhestar schrieb:

      Der gesamte Ziegenbestand lebt in einer ehemaligen LPG-Stallanlage, das ist ein grosser Stallkomplex mit genug Licht und Platz.
      Ich kenne zwar solche ehemaligen Betriebe nicht, glaube aber auch nicht, dass meine Freunde die Kapazitäten hätten (sowohl von den Flächen als auch von den Arbeitskräften her gesehen).

      sanhestar schrieb:

      Dass die Ziegen beim durchmelken zuwenig Milch produzieren, kann ich mir schwer vorstellen.
      Vielleicht hat sie es nur gesagt um mich zu beruhigen? Habe keine Ahnung, doch im Prinzip kenne ich die Familie als ausgesprochen ehrlich und authentisch.

      sanhestar schrieb:

      mit der erhöhten Nachfrage nach Ziegenfleisch wurde es jedoch immer lohnender, die Lämmer zur Schlachtreife aufzuziehen.
      Dazu meinte sie, dass eben fast keine Nachfrage nach Ziegenfleisch in Deutschland bestünde, außer zur Osterzeit.
    • @ClarasZiegen

      ClarasZiegen schrieb:

      Ich glaube man trifft da einfach andere Entscheidungen, wenn man davon lebt als wenn man das ganze nur als Hobby und aus Tierliebe betreibt.
      Wäre Ziegenhaltung dein Beruf wärst du dazu gezwungen, ähnlich zu handeln.
      Natürlich, das ist gar keine Frage.

      ClarasZiegen schrieb:

      Der gravierende unterschied ist schlicht, dass du das geld woanders her bekommst und diese Leute eben mit ihren Tieren Geld machen.
      So ist das tatsächlich und ich bin so dankbar dafür!

      ClarasZiegen schrieb:

      Und an sich ist es doch egal, ob das tier geschlachtet wird, solange es ein schönes leben hatte.
      Genau so sagen es meine Freunde auch. Es ist wohl ein reines Kopfkino von mir, aber so ist es eben.

      ClarasZiegen schrieb:

      Dh augaben für Futter, Zäune etc versuche ich durch Kitzverkauf wieder reinzubekommen.

      ClarasZiegen schrieb:

      die Mädels werden entweder verkauft oder großgezogen als Milchziegen.
      So einfach scheint das mit dem Verkauf gar nicht zu sein. Es gibt offenbar nicht genug Käufer laut meinen Freunden.Ein paar Kitze bekommen sie immer los, doch die Mehrzahl eben nicht.
    • @DreiZiegen

      DreiZiegen schrieb:

      Tja, ich kann Dich sehr, sehr gut verstehen, Brigh. Als Landwirt wäre ich nach spätestens einem Jahr bankrott. Ich wünsche Dir, dass Du beruflich sehr erfolgreich bist/gut erbst und Dir dann einen Gnadenhof leisten kannst.
      Das ist lieb von Dir :) . Doch ganz ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich die Menge bewältigen könnte die dann dort wäre.

      DreiZiegen schrieb:

      Diese Woche habe ich im Vorbeigehen eine dieser Zoosendungen im Fernsehen gesehen. Da wurde gerade ein halbes Ziegenkitz mit einem Seil wo angebunden, damit sich eine Hyäne etwas anstrengen musste, um an ihr Futter zu kommen. Zootiere müssen schließlich auch fressen.
      Was habe ich (idiotischerweise, zugegeben) mit dieser "Natur" gehadert als es Heidi immer wieder so dreckig ging! Ich habe sie oft mit übelsten Schimpfnamen belegt, obwohl ich selbst doch auch ein Teil von ihr bin ...


      DreiZiegen schrieb:

      Die vielen männlichen Küken landen auch als/im Tierfutter. Alles Dosenfutter ist in der Hauptsache "Huhn", das macht das Gros aus. Die "Geschmacksrichtung" auf dem Etikett ist das namensgebende Extra. "Geschmacksrichtung Ziege" ist aber noch recht selten, muss ich sagen.
      Das ist natürlich wieder eine Grausamkeit der Extraklasse. Lebend geschrettert... Waaa, wie schrecklich!

      DreiZiegen schrieb:

      Meine Großeltern väterlicherseits waren vom Land. Sie lebten von der Landwirtschaft und ihrer Gaststätte auf dem Dorf. Dennoch schnürte es ihnen jedes Mal den Magen zu, wenn der Schlachter zum Schweineschlachten kam. Dann gab's Blutwurst und Schlachtplatte für die Gäste; der Familie selber aber war der Appetit vergangen.
      Menschen, die dennoch ihre Menschlichkeit behielten. Kenne ich inzwischen einige und das macht mich froh.
      Ich glaube, es ist viel schwieriger damit umzugehen (schlachten etc.) wenn man seine Gefühle nicht abschaltet. Und doch tragen gerade diese Gefühle viel zur eigenen Größe bei, wie ich finde.

      Die Logik muss regieren, ansonsten gehen wir alle unter, das ist nicht nur bei der professionellen Tierhaltung so.

      Ich bin ja ein reines Stadtkind gewesen, bis ich im letzten November plötzlich meine Ziegen-Wintergäste (und dann die Lämmchen) hatte. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und erfahren, was vorher undenkbar für mich war. Es waren richtige Paradigmenwechsel dabei (damit meine ich jetzt nicht Wissenschaftliches, sondern Allgemeines). Ich denke daher, dass ich auch bei weiteren Aspekten lernen werde.

      DreiZiegen schrieb:

      Meine Großmutter hatte mir noch gezeigt, wie man eine Kuh melkt. Ich weiß noch, wie angewidert ich bei der allerersten Berührung einer Zitze war - so eklig weich, schlabbrig, warm! Weiß der Kuckuck, was ich erwartet hatte. Hartplastik?
      Ja, verstehe ich sehr gut! Auch bei mir war es ähnlich als ich nach der Geburt Heidis ihre Mutter melken wollte. Ich habe mich zudem gar nicht richtig hinfassen trauen (und wusste auch gar nicht wie man melkt). Jedenfalls haben wir uns dann eine mobile Mini-Melkmaschine angeschafft und waren sehr stolz, wenn wir 110 ml erwischten #jubel#

      DreiZiegen schrieb:

      Heute habe ich 5 kleine Wiederkäuer, die hoffentlich alle mindestens 24 Jahre alt werden.
      Ich darf berichtigen: Du hast eine 1 ganz vorne vergessen. Ich will das nämlich auch.

      LG
    • nur zwei Anmerkungen noch:

      Arbeitsaufwand der Lämmeraufzucht - der von mir genannte Betrieb hat zwei Inhaber und zwei weitere Angestellte.

      Nachfrage nach Ziegenfleisch - ist bei denen hoch und wird über die Direktvermarktung bedient.

      Und wenn die Lämmer sowieso für Hunde geschlachtet werden, könnte man auch die älteren Lämmer in diese Richtung vermarkten. Es müssen nicht immer Käufer sein, die für den menschlichen Bedarf kaufen.

      Die Hundeszene, gerade die Barfer = Rohfütterer, sucht Quellen für ausgefallenere Fleischsorten (um es mal sehr trocken zu betrachten) für Hunde, die allergisch auf Rind und Huhn sind. Im obigen Fall, Ziegenfleisch und das noch in Bio-Qualität - das würde Abnehmer finden.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • @Toshihikokoga

      Toshihikokoga schrieb:

      Ob die Kitze jetzt mit 2 Wochen oder 2 Monaten geschalchtet werden wird ihnen herzlich egal sein. Für einen Außenstehenden hört es sich natürlich erstmal schockierend an, aber du darfst dich dennoch darauf verlassen dass die Personen besten Wissens und Gewissens und auch im rechtlich grünen Bereich handeln - ansonsten wäre eine wirtschaftliche Produktion nicht möglich bzw. würden sich zuständige Stellen darum kümmern alles in den korrekten Bereich zu leiten oder den Betrieb einzustellen.
      Ja klar war das schockierend für mich, und wie!

      Zu 100% bin ich mir sicher, dass gerade diese Menschen niemals ein Tier bewusst quälen würden. NIE! Dafür habe ich sie im Laufe der Zeit viel zu gut kennengelernt und auch viel zu viel selbst dort gesehen. Das sind äußerst liebe Leute, nicht nur zu Menschen, sondern auch zu ihren Tieren. Gerade das hat es für mich auch so unfassbar gemacht.

      Illegales läuft dort sicher auch nicht. Dazu sind sie viel zu ehrlich und, so antiquiert sich das auch anhören mag, zu anständig.

      Toshihikokoga schrieb:

      Biobetriebe haben hier das Problem, dass nur Vollmilch verwendet werden darf, welche natürlich auch biozertifiziert sein muss und Vollmilch generell teurer ist Milchaustauscher.
      Für das Kitz bekommen sie dennoch kaum mehr als für ein konventionelle, gekostet hat es bis dahin zumindest das Doppelte.
      Das ist natürlich wirtschaftlich nicht vertretbar.

      Toshihikokoga schrieb:

      Mit 2 Wochen wird ein Kitz bei ausreichend mütterlicher Milchleistung kein Euter zerbeissen. Das beginnt wenn überhaupt später bzw. hauptsächlcih wenn zu wenig Milch oder mehr als 2 Kitze vorhanden sind.
      Ebenso dürfen Biobetriebe Antibiotika einsetzen, jedoch (wie auch konventionelle Betriebe) nur nach Verschreibung eines Tierarztes und mit doppelter Wartezeit. In dieser Zeit DARF die Milch nicht als Nahrungsmittel für Menschen verwendet werden und wird deshalb entweder an Kitze verfüttert oder entsorgt.
      Das mit dem Euter zerbeissen hat sie vielleicht nur gesagt, um mir das Akzeptieren zu erleichtern. Wundern würde es mich jedenfalls nicht.

      Was die Antibiotika betrifft, habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Sie dürfen sie, wie Du richtig bemerkst, sehr wohl einsetzen, müssen die Milch für eine gewisse Zeit aber dann verwerfen. Das können sie sich schlichtweg nicht leisten, zum einen wegen der zu erfüllenden Quote, zum anderen auch finanziell.
      Nur mal so als Anmerkung: sie haben zB ein Melkkarusell. Das alleine schon kostet weit mehr als eine halbe Million €. Und so gehts weiter und weiter.

      Toshihikokoga schrieb:

      Alleine der Transport wäre schon nicht schön für die Kitze - 900km (hin und retour) wäre für 2 Monate Lebensverlängerung in Zeiten des Klimaschutzes ebenso Irrsinn.
      Dem Betrieb ist auch kaum geholfen, da die Kitze bis der Nabel abgeheilt ist (1-2 Wochen) nicht transportiert werden dürfen. Dann füttert er sie gleich lang und bekommt kaum mehr dafür.
      Ich verstehe es doch von der Logik her ganz genau. Doch da streiten zwei Dinge in mir: Gefühl und Verstand. Letztendlich gewinnt bei mir am Ende stets der Verstand, aber mir tuts halt weh - trotzdem.


      Toshihikokoga schrieb:

      Die sind aber auch erst dann gut, wenn sie selbst Kitze produziert haben - wenn du mit "richtig gut" nicht die Milchleistung meinst tut es sicher jede andere Ziegenrasse auch.
      Ich meinte damit die Abstammung. Sie ist bei allen exzellent und damit ist schon große Hoffnung gegeben (zumindest was die Milchleistung später betrifft). Findest nicht auch?

      Toshihikokoga schrieb:

      Dann hättest du jährlich von nur einem Betrieb 400 Neuzugänge, die bei guter Haltung 15 Jahre alt werden. Wären dann 6.000 Ziegen bis durch das natürliche Ableben die Stückzahl annähernd konstant bleibt. Ist das dann auch Maßentierhaltung oder nur Animal Hording?
      Da brauchen wir uns gar nicht drüber unterhalten, es ist schlichtweg nicht machbar. Auch nicht für einen Vollprofi der Massentierhaltung. Er hätte unterm Strich wohl viel Milch zum Verkauf, aber, wenn sie alle so alt werden dürfen wie sie können, nur Salami (wie ich hier im Forum gelernt habe). Ob man davon mit wirtschaftlicher Relevanz einen Betrieb aufrecht erhalten kann, wage ich schon stark zu bezweifeln.

      Und ja, natürlich bliebe letztendlich nur Animal Hording übrig. Das hat aber nicht nur für die Betroffenen Krankheitswert, sondern ist, in meinen Augen zumindest, Tierquälerei in Reinform. Es geht dabei nicht darum, ob es bewusst oder unbewusst geschieht, sondern nur um das Endergebnis. Ergo, völlig inakzeptabel - und das sollte es nicht nur für mich sein!

      Toshihikokoga schrieb:

      Ich hoffe für dich dass du so einen Hof nicht erbst - nicht weil ich es dir nicht gönne, sondern weil ich keinem die Arbeit wünsche welche 6.000 Ziegen einem bereiten.
      Ich weiß genau was Du meinst. Du scheinst ein sehr "down to earth" Mensch zu sein, und das ist gut so!

      Toshihikokoga schrieb:

      Lass das "Aber" weg und enge deinen Horizont nicht unnötig ein. Wenn sie dir mit deinem Problemkitz geholfen haben kannst du getrost annehmen dass sie sich auch um ihre Tiere zu deren Lebzeiten bestmöglich kümmern
      An ersterem arbeite ich zur Zeit und, wie mir scheint, komme ich meinem Ziel jetzt näher. Zumindest was die logischen Aspekte betrifft, werde ich sie letztendlich integrieren können. Allerdings werde ich schon einen Schutzwall um mich bauen müssen wenn die Kitzlein in kurzer Zeit da sein werden. Ich gehe einfach nicht zu ihnen. Ich weiß, es ist Vogel Strauß Politik, doch derzeit gehts nicht anders.
      Mit dem "Aber" habe ich iÜ nicht die menschliche Qualität dieser Leute gemeint, sondern nur das Ergebnis für die Kleinen. Das tut mir einfach nur weh.

      Ja, auch damit hast Du uneingeschränkt recht. Sie tun alles für ihre Tiere solange sie leben. Sie haben mir damals ihr Kitz sogar "ins Haus geliefert" weil ich mich lange nicht getraut hatte, meiner Heidi eine Gesellschafterin "zuzumuten". Sie verstanden mich gut, hatten aber primär Heidis (tatsächliches) Wohl im Auge. Und sie hatten recht. Seit die beiden zusammen sind, gehts Heidi ausgezeichnet und die zwei sind ein Herz und eine Seele.

      Herrje, warum kann nicht alles wie bei Johanna Spyri´s Heidi sein? Es wäre so schön und ich hätte es so gerne so und nicht so wie es ist ...

      LG
    • Brigh schrieb:

      Vom Lämmchen-Schlachten und ähnlich rotem Gemetzel findet man da jedenfalls nix.
      Findest man nichts, aber nachdem es damals nichtmal in der Schweiz Zeiten des Überflusses waren werden auch die männlichen Kitze aufgezogen bis zur Geschlechtsreife bzw. bei ausreichend Fläche bis vor der Winterfütterung aufgezogen worden sein - und inzwischen immer mal wieder eines für den Sonntagsbraten wie man es heutzugtage nur noch von Huhn und Kaninchen kennt.
      Being a vegan is a missed steak
    • ich bin mir relativ sicher, dass viele Ziegen durchgemolken wurden.

      Milch wurde für den Eigenbedarf erzeugt, nicht für den Verkauf in grossen Mengen. Maximal noch Käse, das war's.

      Die Guernsey-Ziegen aus England wurden z.B. darauf selektiert, dass sie dauerhaft Milch gaben, weil dadurch die kosten- und platzintensive Lämmeraufzucht vermieden werden konnte.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen