Ziegen auf Obstplantage halten?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Ziegen auf Obstplantage halten?

      Hallo, ich bin der Michael und habe mich angemeldet weil ich mich mit der Haltung von Ziegen beschäftige.
      Wir haben auf unserem Grundstück eine alte Apfelplantage und sie ist in den letzten Jahren sehr stark verwildert. Es handelt sich um ca. 2.500qm Plantage und ich würde sie am liebsten großzügig einzäunen um auch noch 2.500qm Wiese/Weide für die Ziegen zu haben.
      Natürlich habe ich viele Fragen.
      Die Plantage ist leider mit Brombeeren zugewachsen und ich weis nicht ob Ziegen das stachelige Zeug weg fressen? Oder wenigstens die Blätter von den Brombeeren, damit sie eingehen und man freie Sicht hat die Brombeeren weg zu schneiden?

      Was machen die Ziegen mit den Apfelbäumen? Sie fressen sicher die Rinde ab und dann gehen die Bäume ein, oder?

      Wie zäunt man das ganze am besten ein? Ich habe da an 1,5 meter hohen Wildzaun gedacht. Auch um Raubtiere fern zu halten. Wobei ich mich da auch nicht auskenne.

      So viele Fragen. Ich hoffe ihr könnt mir da etwas weiter helfen?

      LG Michael
    • Hallo Michael,

      ja, Ziegen schälen die Rinde von Bäumen ab, ihr müsstet also die Stämme vor Verbiss schützen. Unsere 4 Zwergziegen machen das zwar nur bei dünneren Stämmen, ab einem Gewissen Durchmesser / Alter der Bäume scheint die Rinde nicht mehr so schmackhaft oder das anknabbern zu mühsam. Wir füttern aber auch ganzjährig Heu zu, da ist der Hunger vielleicht auch einfach nicht gross genug. Und Ziege ist nicht gleich Ziege...

      Bei Obstbäumen kommt noch das Problem dazu, dass Ziegen unheimlich gern Früchte fressen, die aber für den Ziegenpansen gar nicht gesund sind. Unsere dürfen deshalb nur vom Frühjahr bis Sommer auf die Streuobstwiesen, bevor die Früchte reif werden und sie ans Fallobst kommen.

      Brombeerblätter und -triebe fressen unsere Ziegen, allerdings nur, wenn es nichts Besseres gibt. Wildrosen, Esche, Ahorn, Weißdorn, Schlehe, Haselnuss sind die Favoriten, erst wenn sie da nix finden darfs auch mal Brombeere sein.

      Ziegen können zu Ausbruchkünstlern mutieren, und es gibt sehr sprungfreudige Exemplare. Und sie scheuern sich gern kräftig am Zaun (wenn kein Strom drauf ist), das muss er ggf. auch aushalten. Bei 1,50 Wildzaun würd ich innen noch 3 Reihen Stromlitzen davor ziehen und ein schlagkräftiges Zaungerät dran, damit die Ziegen auf Abstand bleiben.

      Was gibts bei euch an Raubtieren? Marder und Füchse sind für Ziegen kaum eine Gefahr, wenn man nicht grad ganz jungen Nachwuchs hat. Ziegen sind wehrhaft.
      Aber wenn Wölfe oder streunende Hunde unterwegs sind, muss man nochmal eins dauflegen bei der Sicherung...
      In Wolfsgebieten gibts oft Zuschüsse für Zäune, die müssen dann aber bestimmte Vorgaben erfüllen und der Antrag muss vorab gestellt werden, bevor man Material kauft und mit dem Bau anfängt.
    • Vielen Dank für die vielen Antworten.
      Also die einzigsten wilden Tiere die ich bisher gesehen habe sind Waschbären, Rehe und Wildschweine. Fuchs und Marder sind sicherlich sowieso immer überall.
      Streunende Hunde gibt es bei uns auf dem Land garantiert keine.
      Ob es Wölfe gibt ist eine Frage. Ich habe jedoch noch nie was von Wölfen bei uns gehört.
      Aber springen Wölfe über 1,5 meter hohen Wildzaun?
      Springen Ziegen über 1,5 meter hohen Wildzaun?
      Die größte Gefahr werden Wanderer und betrunkene Jugendliche sein.
      Und eventuell Wildschweine die in den Zaun rein rennen, einfach weil sie ihn gar nicht sehen...
      Ich erhoffe mir dass die Ziegen die Brombeeren so weit abfressen dass die Brombeeren eines Tages weg sind. Aber sie sind 0,5-1 meter hoch und sehr dicht.
      Das wird sicherlich nichts.
      Wie viele Ziegen kann man denn auf 2.000-2.500qm Fläche lassen?
      Bzw. wie groß muss der Stall für den Winter dann sein?
    • Also ich denke das mit den Brombeeren wird was. Meine haben tausende quadratmeter brombeeren unter kontrolle. Wenn man will, dass da draus dann jedoch weide wird muss man die ranken mulchen. Die Ziegen fressen nur die Blätter und jungen triebe. aber diese umso lieber.
      Meine zumindest...

      1,5m Wildzaun sollte zumindest für die Ziegen hoch genug sein. Damit sind bei mir die Winterpaddocks eingezäunt. Auf der Weide haben die Ziegen Schaufszaun, der etwa einen meter hoch ist. Da haut auch keine ab.

      Eigentlich sagt man pro Ziege tausend quadratmeter und min. drei ziegen. Mehr ist besser aber bei wenig fläche halt nicht möglich.

      Also mit drei Anfangen, ganzjährig heu zufüttern und die weide unterteilen, so dass immer ein teil verfügbar ist, während die anderen teile sich erholen und nachwachsen. Du kannst die Weide ja vierteln.

      Den stall lieber etwas größer als die Mindestmaße, gerade wenn die Ziegen Hörner haben. Ich würde sagen mit 12qm fährst du gut, hast dann auch platz, dich selbst im stall aufzuhalten. Ich habe einen kleinen selbstgebauten "schrank" im stall, in dem alles mögliche Zaunmaterial etc gelagert ist. Die Oberfläche des Schrankes (ca 2qm) dient als erhöhte Liegefläche und wird gut genutzt.

      Pro Ziege mindestens eine Fressgelegenheit, eher mehr.
    • M.Röder schrieb:


      Ob es Wölfe gibt ist eine Frage. Ich habe jedoch noch nie was von Wölfen bei uns gehört.
      Aber springen Wölfe über 1,5 meter hohen Wildzaun?
      Springen Ziegen über 1,5 meter hohen Wildzaun?
      Frage 1: Wölfe werden, über kurz oder lang, in jedem ländlichen Raum in Deutschland zumindest durchwandern. Wenn Du es genauer wissen willst, wende Dich an Jäger vor Ort, Schäfer und/oder Wolfsbeauftragte von z.B. NABU.

      Frage 2: es werden solche Einzelfälle berichtet. Wobei hier nicht nur Springen, sondern auch Untergraben zu beachten ist.

      Frage 3: eindeutiges JA!, solche Einzelexemplare gibt es. Viel wahrscheinlicher ist, wenn der Zaun ohn Stromunterstützung (innen eine bis mehrere stromführende Litzen) gestellt wird, dass die Ziegen sich am Zaun aufstellen, sich an ihm Reiben, dagegen drücken, usw. = ihn über den Verlauf einiger Jahre ruinieren.

      Flächengrösse/Tieranzahl Faustregel: 10 Ziegen auf 10.000 qm.

      Ziegen fressen mit Vorliebe Brombeeren. Nur, was fressen sie in ca. 2-3 Jahren, wenn die Brombeeren weg sind? Gras ist kein Ziegenfutter und die Bäume musst Du einzäunen.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • Hm, also das Ziegengehege kann fast beliebig vergrößert werden.
      An der Obstplantage grenzt eine 3 Hektar große Wiese/Weide und daran dann 10 Hektar Wald, größtenteils Birken und ein wenig Akazien.
      Fressen Ziegen denn kleine junge Birkenäste und Blätter? Quasi zum Zufüttern?
      Der Verschnitt von den 40 Apfelbäumen ist ja sicher auch schon einiges Wert, oder?
      Es geht wohl in Richtung ein Stall mit zwei Türen. Einmal Zugang zu dem einen Gehege und einmal Zugang zum anderen Gehege...
      Direkt nebenan steht noch eine Baumreihe welche vollkommen mit Goldrute zugewachsen ist. Vielleicht eignet sich das Gelände als zweites Gehege?
      Ich müsste mal paar Bilder rein stellen. Aber hier darf nur bis 1MB Größe rein gestellt werden.
    • Hm, vielleicht kann ich ja dieses Jahr noch irgendwas anpflanzen?
      Irgendwelche stark wuchernden Büsche wie Sanddorn oder sowas?
      Die stehen ja bei uns überall herum und lassen sich doch sicher auch umsetzen, also die kleineren jüngeren zumindest...
      Aber wenn die Ziegen einmal dran waren dann sind sämtliche Büsche tot, oder?
      Das wird ja bei den Apfelbäumen nicht anders sein, wenn sie die Rinde abfressen...
    • also anpflanzen bringt wenig, da würde ich lieber immer wieder schneiden und zufüttern. Apfelbaumschnitt klingt auch gut.

      An große Bäume mit sehr holziger rinde gehen meine nicht ran, ich würde es an deiner stelle aber nicht riskieren, daher also schützen.

      Gehört das angrenzende Gelände auch dir?

      Ich würde übrigens mehr als zwei weiden abzäunen. Ich habe insgesamt fünf "weiden" (teilweise weiden, aber auch mit wald und Gestrüpp) a 1500- 2500qm für momentan drei ziegen (bald kommt eine dazu) und den nachwuchs den es dazu gibt. Ich komme damit mehr als gut hin. Und für die weiden ist es auch gut, wenn sie mal eine Zeit lang brach liegen. Senkt auch den Wurmdruck.

      Je nachdem wie viel zusätzliches Gelände du abzäunst musst du aber mehr Ziegen halten, da die sonst mit abfressen nicht gut hinterherkommen. Zu hohes Gras fressen Ziegen auch nicht mehr.

      Tipp für die Bilder: mach auf dem Computer das Bild in einem Fenster auf, verkleinere das Fenster und mache dann davon ein Bildschirmfoto. Damit verkleinerst du die größe des bildes ohne irgendetwas konvertieren zu müssen.
    • 1. Bei mir haben die Schafe einen Apfelbaum gekillt. Probiert haben sie es an dreien, einen haben sie aber auf Anhieb total ausgezogen, gesamter Stamm ohne Rinde. Keine Chance für den Baum.

      2.Brombeeren sind hier bei den Ziegen nur insofern interessant, wenn die junge Triebe und Blätter haben. Ältere Blätter lässt man stehen und zieht anderes vor.

      3. Sogar meine ungewöhnlich braven (=nicht springenden) Zwerge haben es jetzt gelernt. Diese Woche habe ich den Herrn aus dem Stand 85 cm überspringen sehen. Das ist ca 20 cm höher als seine Schulterhöhe.

      4. Flächen unterteilen sagt sich leicht, aber wenn die mit Brombeeren zugewachsen sind, kommt man zum Unterteilen gar nicht erst durch! Ich habe deswegen einen handgeführten Gestrüppmäher tageweise gemietet (bzw. einmal auch einen Mann mit ferngesteuertem Kettenfahrzeug für die steileren Bereiche kommen lassen) und erst mal Schneisen reingeschnitten, damit ich überhaupt unterteilen konnte.

      Im Bild der Aufwuchs der wiederholt gehäckselten Brombeeren an der Grundstücksgrenze. WO gefressen wird, ist, wie man sieht, auch Geschmackssache. :)

    • Büsche anpflanzen ja, aber dann ausserhalb der Ziegengehege, und den Schnitt verfüttern.
      Weide und Hasel zb sind robust, schnellwüchsig und schnittvertäglich.
      Obstbaumschnitt ist auch prima Futter, vorausgesetzt natürlich, es wird nichts gespritzt
    • Vielleicht hilft Dir das ja etwas weiter:
      anl.bayern.de/fachinformatione…g/7_6_ziegenbeweidung.htm

      Ich fand das gesamte Handbuch (auch den Teil Schafe) sehr hilfreich. Als totalem Neuling ist mir nämlich erst im Laufe der Zeit aufgefallen, dass das, was ich im Grunde eigentlich brauchte und suchte, Angaben zur Landschaftspflege war, und nicht Schaffung von Weide-/Grasland.

      Nachhelfen muss man jedenfalls schon irgendwie. Die Ziegen nibbeln hie und da mal an Kräutern, ja, aber kurzhalten tun die die bei mir nicht, dazu haben sie zuviel Auswahl. Langes Gras schauen auch die Schafe nicht an, also muss ich erst mit dem hoch eingestellten Mäher drüber gehen, damit die Herrschaften ihres Amtes walten (können). Und nach dem Abweiden nochmal nachmulchen, denn was sie nicht mögen, bleibt stehen und nimmt überhand.

      Zitat aus dem obigen Link:

      "Bei einer Mischung von Ziegen mit anderen Weidetieren (Schafe, Rinder, Pferde), kann bei geschickter Steuerung der Beweidung, der Erhalt eines gewissen Gehölzanteils auf der Fläche erreicht werden. Sollen jedoch bestimmte Gehölze (zum Beispiel Obstbäume, nach Entbuschung verbliebene Gehölzinseln) gar nicht verbissen werden, ist ein oft aufwendiger Schutz (mechanisch oder durch Elektrozaun) gegen den Verbiss der Ziegen nötig. Alternativ würde sich für Obstwiesen eine extensive Beweidung mit Schafen in Form einer Hütehaltung anbieten."

      Warnung zum letzten Satz: NB Hütehaltung! Denn wenn man die nicht im Auge behält, sind die Obstbäume auch mit den Schafen hin.

      Mein Nachbar erzählte mir von seinem Kumpel (Winzer), der sich als Rasenmäher Ouessant-Schafe für seine Weinberge zugelegt hat, weil die sehr klein und dafür bekannt sind, nur Gras zu fressen und keine Gehölze zu verbeißen. Leider waren sich seine Schafe dessen nicht bewusst...

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von DreiZiegen ()

    • Hallo und vielen Dank für die zahlreichen Antworten und Anregungen.☺️
      Ich bin leider recht selten hier im Forum unterwegs. Sorry.
      Was spricht eigentlich gegen eine Ziegenhaltung direkt in einem Wald?
      Also es handelt sich um einen Wald der zu 90% aus Birken besteht und sogar einen Teich besitzt. Sowas müsste doch ideal für Tiere sein, vor allem für Ziegen, oder?
      Dort haben sie Unmengen an Brombeeren, kleine Äste, große Stämme zum Klettern, genug Schutz vor der Sonne, reichlich Wasser aus dem See, dort im Wald gibt es auch Kletterhänge und so weiter. Da bräuchte ich nur noch einen Zaun und einen Unterstand. Wie ist das mit den Ziegen im Winter? Kann man sie da auch im Wald lassen, wenn man den Unterstand ordentlich auslegt?

      Vielen Dank
    • Vielen Dank für den Link.
      Das hört sich ja sehr vielversprechend an.
      Ich habe das Gefühl dass es für die Ziegen das natürlichste wäre einfach 2 Hektar Wald einzuzäunen, mit Zugang zum See.
      Bleibt halt die Frage ob man das darf?
      Kontakt zu den Jägern habe ich.
    • Wie ist denn der Boden in dem Wald und um den See herum beschaffen? Feuchter, gar matschiger Grund ist für die Klauen auf Dauer nicht gut. Lassen die Birken ausreichend Sonne und Wind durch, dass der Boden abtrocknen kann? Kommen die Ziegen ganzjährig ans Wasser, ohne sich „nasse Füße“ zu holen bzw. durch Matsch staksten zu müssen?

      Ist die Wasserqualität des Sees gut genug um sie daraus trinken zu lassen? Friert er im Winter zu?


      Wie ist es mit Giftpflanzen? Adlerfarn, Fingerhut, Hahnenfuß, Maiglöckchen, Schwertlinie, Riesen-Bärenklau, Wasserschierling und Wasserfenchel beispielsweise fühlen sich auf feuchten Böden im Halbschatten des Waldes bzw. am Ufer von Gewässern besonders wohl. Nicht alle Ziegen sind so „instinktsicher“, dass sie Giftpflanzen meiden…


      Und feuchte Flächen ziehen Schnecken an, die Überträger von Leberegeln sein können. Das ggf. bei der Auswahl der Entwurmungsmittel berücksichtigen.


      Kälte, insbesondere trockene Kälte, können Ziegen relativ gut aushalten. Vorausgesetzt, sie konnten sich an die niederen Temperaturen gewöhnen und ein dichtes Winterfell ausbilden. Solange sie einen trockenen, zugreifen Unterstand haben, ausreichend Raufutter und die Wasserversorgung gewährleistet ist, können sie den Winter gut draußen verbringen.

      Ob und unter welchen Umständen in Waldgebieten Gehege angelegt werden und Nutztiere weiden dürfen, regeln unter anderem Naturschutzgesetz, Waldgesetz und Weideordnung. Das kann sich von Bundesland zu Bundesland, bei der Weideordnung sogar von Gemeinde zu Gemeinde unterscheiden. Da müsstest Du mit den Behörden bei euch vor Ort abklären, was auf den betreffenden Flächen zulässig ist.