Fressverhalten - nur Busch-Astwerk, kein Gras?

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    • Fressverhalten - nur Busch-Astwerk, kein Gras?

      Hallo zusammen,

      ich habe seit Juli diesen Jahres zwei Burenziegen, 1 Jahr alt. Die ersten Wochen hatte ich sie in ihrem zukünftigen Winterquartier am Haus um sie erst mal richtig zu zähmen. Dort haben sie die Obstbäume kahl gefressen soweit sie dran kamen (alles alte Bäume, also kein Problem) und einen Haselnussstrauch. Sobald das vertilgt war, ging das Gemecker los. Wir haben dann immer ein paar Äste abgeschnitten oder von außerhalb geholt.
      Heu hatten sie zur Verfügung, wurde aber nur platt getreten oder zum liegen genutzt.

      Jetzt sind sie auf ihren zweiten "mobilen Weide", wo sie Ordnung schaffen (viele Baumtriebe, Hagebutte, Brombeere). Sie fühlen sich pudelwohl aber mir fällt auf dass sie wirklich kaum Gras fressen bzw. gar keins solange Astwerk da ist.

      Haben wir sie durch das ständige Zufüttern von Ästen zu sehr verwöhnt? Mir ist schon klar, dass sie Busch - und Astwerk unbedingt benötigen und halt keine Schafe sind aber das sie so wenig Gras fressen war mir nicht klar.
      Es sei noch erwähnt, dass sie die Äste auch nicht schälen, also die Rinde abnagen wie ich das hier auf Fotos schon oft gesehen hab, sie fressen nur die Blätter.

      WIe ist das bei euren? Es gibt ja auch viele, die nicht mobil unterwegs sind oder gar nicht so viele Stellen haben, an denen sie einzäunen können.

      Schon mal Danke für euer Feedback.

      LG
      Marina
    • Nein, das ist schon normal.

      Ziegen sind Äser, keine Grasfresser. Das sind Schafe, aber nicht Ziegen.

      WENN Ziegen Gras fressen, dann nur junges Gras und es wird auch nur bis zu einer bestimmten Höhe abgeweidet. Es bleibt viel stehen.

      Heu am besten in Raufen oder anderweitig erhöht und geschützt anbieten.

      Ziegen fressen kein Gras bis zur Grasnarbe und kein Futter, das auf den Boden gefallen ist oder über das schon eine Ziege gelaufen ist.

      Warum? Weil sie, im Gegensatz zu Schafen, deutlich anfälliger sind für Darmparasiten und ihre Fressgewohnheiten = Futter über Kopfhöhe eine übermässige Aufnahme von Wurmlarven verhindert.

      Äste schälen: es muss schon die richtige Art Äste sein. Manche Rinde sitzt zu fest am Holz, z.B. bei Buchen. Andere Rinde ist zu alt, hart, knorrig. Und zu dünne Äste können sie nicht ordentlich greifen zum Schälen.

      Schälbares: Haselnuss, Weide, Holunder (aber nicht zu viel), junge Obstbäume, junge Nadelbäume (jedoch eher im Winter, wenn das Harz härter ist), Schwarzdorn, Scheinakazie (nicht verwechseln mit der tötlichen Thuja).

      Ich habe in meiner Herde dann auch noch beobachtet, dass eher ältere Ziegen schälen und sie brauchen idealerweise Hörner, um die Rinde "anreissen" zu können
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • Hallo Sabine,

      lieben Dank für deine ausführliche Antwort.

      Wie regeln das die Hobbyhalter, die ihre Ziegen ganzjährig auf einem Stück halten? Hat ja nicht jeder die Möglichkeit, dass die Tiere mobil unterwegs sind bzw. man jeden Tag Äste ankarrt.

      Da hoffe ich noch auf weitere Rückmeldungen :) Wir haben zum Glück genügend Flächen, die wir aufräumen lassen können, wenn nur das Einzäunen nicht wäre. Da hab ich noch nicht das non plus ultra gefunden.
    • Schussdisch schrieb:



      Wie regeln das die Hobbyhalter, die ihre Ziegen ganzjährig auf einem Stück halten? Hat ja nicht jeder die Möglichkeit, dass die Tiere mobil unterwegs sind bzw. man jeden Tag Äste ankarrt.
      täglich sicherlich nicht, aber mehrmals im Monat ist machbar.

      Landschaftsgärtner kontaktieren: klar absprechen, was ok ist und was nicht. Förster, Strassenbauämter, wenn Bäume entlang von Landstrassen zurückgeschnitten werden.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • Nadua, stimmt, aber das fällt in der Praxis hier kaum ins Gewicht. Laut Giftpflanzendatenbank Uni Zürich ist die Robinie "stark giftig", also es reichen geringe Mengen.

      Dennoch: Meine Zwerge und auch die Schafe knabbern die jungen Bäume an, biegen sie auch oft mit den Hörnern um (die Schafe drücken sie mit dem Hals runter), wenn sie schon höher sind, damit sie an die Blätter kommen, lassen aber relativ bald davon ab und gehen zu anderem über.

      Nach anfänglichem Panikzustand bei mir (habe deswegen auch eine Stieleiche ausgezäunt und alle Sprösslinge im Umkreis per Hand entfernt), wobei ich zudem gar nicht alle Pflanzen kannte (was zu meiner ständigen Angst vor Vergiftung beitrug), habe ich mich jetzt aber beruhigt. Erstens leben sie alle noch, und zweitens scheint die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Giftige fressen, bei freier Beweidung wesentlich geringer (es gibt ja anderes).

      Ich zitiere aus anl.bayern.de/fachinformatione…g/7_6_ziegenbeweidung.htm. (Hervorhebungen von mir, giftig):

      "Seltene Gehölze werden oft stärker befressen („Abwechslungsfraß“, STUMPF 2002); weniger Schmackhafte dann, wenn Alternativen fehlen. In einer von Weiden dominierten Standweidefläche schälten Ziegen im Herbst zwar auch Weiden, zogen jedoch Esche, Linde, Ahorn, Apfel, Espe, Lärche, Robinie, Hartriegel, Pfaffenhütchen, Hasel und Liguster sowie etwas weniger ausgeprägt Weißdorn und Schwarzerle vor."

      "Bei manchen Gehölzen (zum Beispiel Robinie) führt die Beweidung erst nach etlichen Jahren zum gewünschten Erfolg (ZEHM 2008)."

      Woanders (orgprints.org/592/1/529rahmann…dschaftspflege-ziegen.pdf) werden Pflanzen genannt, und inwiefern Ziegen an die gehen, und davon sind diverse mehr/minder giftig:

      Tabelle 1: Verbiss verschiedener Gehölze durch Ziegen

      starker Verbissmittlerer Verbissgeringer Verbiss
      Haselstrauch
      Schwarzdorn
      Weißdorn
      Buche
      Faulbaum
      Gemeine Esche
      Zitter-Pappel
      Eiche
      Rose
      Brombeere
      Himbeere
      Weide
      Eberesche
      Gemeiner Schneeball
      Apfel
      Fichte
      Kiefer
      Tanne
      Hainbuche

      Hänge-Birke
      Moor-Birke
      Gemeine Liguster (giftig)
      Gemeine Fichte
      Gemeine Kiefer
      Roter Hartriegel
      Pflaume
      Birne
      Kastanie
      Robinie
      Besenginster
      Gemeiner Wacholder
      Aspe
      Süßkirsche
      Lärche
      Douglasie
      Gemeine Berberitze

      Heidekraut
      Traubenkirsche
      Eibe (giftig)
      Vogelkirsche



      Marina, in dem ersten Link oben findest Du übrigens Angaben zum caprinen Appetit auf Grasiges. Hängt vom Verbuschungsgrad der Fläche ab und von der Beweidungsdauer.

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