Der Bock & Kastration - Packziegenzukunft

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    • Der Bock & Kastration - Packziegenzukunft

      Hallöle liebe Forummitglieder und Ziegenliebhaber,

      Ich würd mir gerne zwei junge Ziegen anschaffen (mit meiner alten Milchziege wären sie dann zu dritt), die ich dann zu Packziegen ausbilden würde. #jubel#
      Im Internet steht, das dafür immer spät kastrierte Böcke großer Rassen bevorzugt werden, zwecks ihrer Größe und damit einhergehenden Fähigkeit mehr und schwerer zu tragen.

      Nun werde ich nicht ganz schlau, so die dumme Frage: Warum kastriert?
      • Der Bockgeruch geht weg! Gut, nehmen wir mal an der Geruch stört mich nicht.
      • Wenn meine Milchziege mal nicht mehr ist (sie ist nun fast 10), gäbe es in der Umgebung keine Ziegenladys mehr, um die die zwei Jungs kämpfen könnten. Es gibt aber Schafe auf der Nachbarweide. Würden die es bei denen in der Brunftszeit versuchen?
      • Könnte man überhaupt zwei vollwertige Böcke, die von kleinauf zusammen aufwachsen, auch später weiterhin zusammen halten?
      • Wäre schön, wenn meine Familie die Packziegen auch händeln könnte. Sie könnten sie oft besuchen und mitversorgen, so entsteht Vertrautheit. Sind unkastrierte Böcke aber überhaupt händelbar für "nicht 100% perfekt-geübte Bock-Führer"?
      • Zuhause Kinder und Tiere, draußen bei Wanderungen vielleicht mal eine Ziegenherde auf der Weide: verglichen mit den weiblichen Vertretern ihrer Spezies, sind unkastrierte Böcke mit solchen Begegnungen "einfach-normal-Ziegen-mäßig-schwierig", oder "komplett durchgeknallte Vollpfosten"? :D :huh:
      • (Dumme) Packziegen-Frage: vom Verhalten her, könnte man auch Weibchen nehmen?
      • Ah ja, dumme Allgemeinfrage!: Bei welchem Alter ist der Bock "spät kastriert"?
      Hatte bis jetzt nur Ziegen die mit der Flasche aufgezogen waren. Durften keinem Kind in die Hand gedrückt werden, daher sie manchmal zu energetisch und doch mit Hörnern durchaus gefährlich werden können. Dennoch sind sie im alltäglichen Umgang so trainiert worden, das selbst jugendliche und erwachsene Familienmitglieder ohne große Führ-Kompetenz und gut geübte Fremde mit ihnen an der Leine spazieren gehen können.

      Mir ist bewusst das man nicht alle Fragen so einfach beantworten kann, deshalb freue ich mich auch einfach über jegliche Erfahrungsberichte zum Thema Kastration-Pro-und-Kontra und Packziegen-Geschichten! #gitarre#

      Grüße :thumbup:
    • Neben dem Geruch - der übrigens nicht nur den Tieren dann anhaftet, sondern auch Dir, den Sätteln, den Packtaschen und allem, was da drin ist (man bekommt seeeeehr viel Abstand an der Kasse im Supermarkt) - ist das Rivalisierungsverhalten der intakten Böcke nicht ohne.

      Ich hatte das versucht, wollte wirklich spät kastrieren und liess 2 Böcke bis zum vollendeten 3. Lebensjahr und 4 Böcke bis zum 2. Lebensjahr intakt. Ein Altbock lief in der Herde - ganz nett - der andere mit den 4 jüngeren Böcken. Auf der Weide ok, bei jedem Spaziergang unerträglich. Alle 20/30 Meter musste sich einer umdrehen und dem hinterher gehenden eine auf die Hörner hauen. Oder in die Packlast rein.

      Auch sind die intakten Böcke deutlich "ehrenkäsiger", sie nehmen schneller was krumm und wenn der Charakter nicht 100% stimmt, dann werden sie eben auch gefährlich. Ein gemeinsames Aufwachsen garantiert keine spätere Sozialverträglichkeit. Ausgenommen Brüder und auch da habe ich es schon "kippen" gesehen. Fakt ist, dass intakte Böcke bei Wildziegen so ab dem 3. Jahr mehr und mehr in Einzelgängertum wechseln bzw. dann eine Herde anführen (oder gefressen wurden).

      Weibliche Ziegen: kann man nehmen, hat nichts mit Verhalten sondern mit Grösse und Doppelbelastung durch Milch/Euter zu tun. Und man bekommt deutlich schlechter Packsättel, die den deutlich kleineren Geissen passen.

      Spät kastriert: wenn sie anfangen, nach Bock zu riechen, also zwischen ca. 6. und 8. Lebensmonat.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • Hallo sanhestar,

      vielen vielen Dank für diese coole, informative Antwort! :thumbsup: Fühle mich gleich etwas schlauer!
      Ich muss zugeben, der Idee der Kastration ein wenig widerstrebend entgegen zu blicken; wenn die Rivalitäten jedoch wirklich so krass sind macht ein Leben, wo sie sich gegenseitig dauernd verkloppen und ich sie eventuell trennen muss, weniger Sinn als ein friedliches beieinander als Kastraten.
      Weibliche Ziegen und Kastraten gemeinsam sollte aber kein Problem sein?
      Nutzt Du auch weibliche Ziegen als Packziege, wenn diese z.B. keine Milch geben?

      Entschuldige die vielen Fragen, ich bin nur voller Vorfreude auf diese baldige Erfüllung meines Packziegentraums und will mich davor einfach gut informieren! Bis auf sehr kurze, 2-3min Videos, finde ich kaum wirklich ausführliche Texte im Internet zu diesem Thema.

      Liebe Grüße!
    • Warum hast Du Probleme mit der Kastration? Sind das moralische oder medizinisch begründete Bedenken?

      Ich habe eine Geiss vor ein paar Jahren zum Packen genommen. Wie gesagt, es ist bei vielen weiblichen Ziegen nur schwer umzusetzen, weil die verfügbare Ausrüstung auf die bis zu 30% grösseren Kastrate ausgelegt ist. Das muss dann schon ein grossrahmige, weibliche Ziege sein. Klar kann man mit kleineren Tieren auch packen, aber das setzt dann viel handwerkliches Geschick und Verständnis für Satteldesign voraus.

      Bzgl. ausführlichen Texten: Du zitierst, wie es scheint, aus der working-goats Webseite (das ist meine, übrigens). Da gibt es viel an Information. Und Videos gibt es ebenfalls, aber nicht unter "Packziegen", sondern mehr unter "packgoats".

      Weibliche Tiere und Kastrate: jein! Die natürliche Gruppenstruktur ist ein Altbock, Ziegen und Lämmer bis Halb-Erwachsene. Die Jungböcke werden so bis ca. 1,5 Jahre (teilweise auch früher) in der Herde akzeptiert, dann verjagt vom Altbock und formen dann Junggesellengruppen für ein paar Jahre.

      Weibliche Tiere und mehrere Kastrate sind in der Brunst immer unruhiger als eine gefestigte Gruppe mit intaktem Altbock, weil trotz Kastration die Böcke weiterhin, reduziertes aber doch erkennbares, Rang- und Brunstverhalten zeigen.

      Meine Empfehlung, wenn jemand eine reine Packgruppe haben will, geht daher zur gleichgeschlechtlichen Gruppe oder max. ein Kastrat zu weiblichen Ziegen.

      Wobei weibliche Ziegen, die nicht gedeckt werden, dann langfristig gesundheitliche Probleme entwickeln können (Eierstockszysten).
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • Wenn es auch Englisch sein darf, kann ich die Videos von packgoats.com sehr empfehlen (findet man leicht, wenn man das als Website oder auch in der YouTube-Suche eingibt), ich finde dass Herr Warnke mit sehr sinnhaft und nachvollziehbare Infos bereit stellt und auch einen sehr guten Umgang mit den Tieren pflegt. Für mich als Anfängerin waen die nicht nur informativ sondern auch schön anzusehen.

      @sanhestar bei deiner Homepage, die ich wirklch gerne mal durchschmökern würde, bekomme ich immer eine Gefahrenmeldung und kann sie nicht öffnen - hat das Problem noch jemand? ich kann Dir gern näheres per PN schicken wenn das anderen auch so geht.
      Liebe Grüße aus Wien,

      Lisa & Elsa
    • Concinnity schrieb:


      @sanhestar bei deiner Homepage, die ich wirklch gerne mal durchschmökern würde, bekomme ich immer eine Gefahrenmeldung und kann sie nicht öffnen - hat das Problem noch jemand? ich kann Dir gern näheres per PN schicken wenn das anderen auch so geht.
      hach, schon wieder? Ich bitte meinen Mann, das anzuschauen.

      Da die Seite leider/zum Glück? so viel Traffic hat, ist sie ein Ziel für Hackerangriffe.
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • Vielen Dank, ich werde mich durch die Artikel durch lesen und die Videos angucken. Meine erste Reaktion war bis jetzt nie, im englisch sprachigen Raum nachzugucken, aber mit Untertiteln komme ich da irgendwie durch :)

      @sanhestar bezüglich der Kastration: womöglich sowohl moralische als auch medizinische Bedenken. Eine Freundin kastrierte ihre Schafböcke, was diese nicht überlebten, selbige Geschichte hörte ich im Schafbereich noch öfter. Moralisch daher ich aktiv mit Pferden, Eseln, Hunden und Katzen arbeite; diese kann man nicht mit Ziegen vergleichen! Als ich jedoch die männlichen Vertreter der jeweiligen Spezien in ihrer ganzen Vollständigkeit (gut erzogene Exemplare!!) erleben durfte, war ich schier geplättet vor Bewunderung und Respekt. Daher rührt wohl diese, vielleicht naive Hoffnung, auch Ziegenherren in ihrer Gänze erhalten zu können.
      Dem sei aber hinzugefügt, das ich noch nie einen Bock erlebt habe, noch nie aktiv mit einem solchen arbeiten musste und ich deine Erklärung mehr als gut verstehen kann! Bin gerade selber überrascht, wie groß für mich der Schritt des Bejahens einer Kastration zu sein scheint xD

      Gab es einen anderen Grund, weshalb Du die Geiss nicht weiter als Packziege genommen hast außer die fehlende Ausrüstung?
      Es macht ja auch Sinn die männlichen Exemplare die, wenn nicht gut zum züchten, beim Schlachter landen, zu retten und ihnen damit ein schönes Leben ermöglichen zu können.

      Meine naive, Laienhafte Vorstellung war zu Anfang gewesen 2 Packböcke und 2 Milchziegen zu halten, die Böcke gelegentlich auf eine Tour mitzunehmen und die Ziegen eben zu melken. Gut aber zu wissen mit dem Altbock, muss ich wohl noch einmal umstrukturieren :)

      Deine Seite sanhestar habe ich leider noch nie aufrufen können!
      Ich werde mich auf jeden Fall weiter durch die Texte und Videos arbeiten. Concinnity hat ja auch interessante Themen eröffnet! :D
    • Goldauge schrieb:



      Gab es einen anderen Grund, weshalb Du die Geiss nicht weiter als Packziege genommen hast außer die fehlende Ausrüstung?
      Es macht ja auch Sinn die männlichen Exemplare die, wenn nicht gut zum züchten, beim Schlachter landen, zu retten und ihnen damit ein schönes Leben ermöglichen zu können.
      Webseite müsste wieder gehen.

      Für die Geiss hatte ich passende Ausrüstung. Ich habe sie aber erst in mittlerem Alter zum Packen ausgebildet und da sie auch immer Milch gab, weniger stark "genutzt" (was für ein Wort für ein Hobby). Sie erkrankte leider schwer vor einigen Jahren und musste eingeschläfert werden.

      Ich bin ja auch ein Verfechter von intakten Männern. Aber immer so, dass es für Mensch und Tier umsetzbar ist.

      Hengste z.B. führen oft ein eher bemitleidenswertes Leben in Einzelhaltung sobald sie dem Jungpferdealter entwachsen sind - habe selber gezüchtet und Hengste gehalten und Gruppenhaltung von Hengsten muss wirklich gekonnt sein.

      Todesrisiko durch Kastration: ja, das besteht und man braucht einen fachkundigen Tierarzt. Ich habe in fast 20 Jahren Kastratenhaltung noch keinen an der Narkose oder Kastration verloren und ich habe überproportional viele Bocklämmer aufgezogen. Mal durchzählen: hier geboren und kastriert: 18, kastriert zugekauft: 8, gesamt: 26
      Sabine M.H.
      working-goats.de Pack- und Fahrziegen
    • sanhestar schrieb:

      Webseite müsste wieder gehen.
      Leider bei mir nach wie vor nicht, allerdings jetzt mit anderer Fehlermeldung.


      sanhestar schrieb:

      Todesrisiko durch Kastration
      Ich kann es ja nun von Ziegenböcken nicht sagen, kenne es aber aus meiner Arbeit beim (Klein-)Tierarzt ähnlich bei der Kastration von Kaninchen oder Meerschweinchen, die auch ein extrem hohes Narkoserisiko (im Vergleich zu Hund, Katze oder Mensch) haben. Auch da versucht man alle Vorkehrungen zu treffen, um die Sicherheit zu erhöhen und Todesfälle gibt es häufig bei falscher oder fehlender Vor- und Nachsorge und unsachgemäßer Dosierung. Und gleich wie beim Hengst ist die Haltung intakter Rammler einfach keine echte Alternative, was dann zu besonders viel Einzelhaft und Isolation führt.
      Liebe Grüße aus Wien,

      Lisa & Elsa