Praktische Fragen zu Packziegen (in Österreich)

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    • Praktische Fragen zu Packziegen (in Österreich)

      Guten Morgen!

      Vorweg, meine Fragen beziehen sich auf die Situation und Bestimmungen in Österreich - wie in der Vorstellung erwähnt, überlege ich eine erstmalige Ziegenhaltung für allerfrühestens Herbst, eher kommendes Frühjahr, vielleicht auch erst später... es bleibt also genug Zeit, um in Ruhe zu lernen und zu überlegen.

      1. Gewichte/Größe: Ich würde gerne kleinere Wanderungen und Spaziergänge mit den Ziegen übernehmen und sie auch als Packziegen nutzen, zunächst aber sicher nur Touren von 2-6 Stunden Wegzeit, das Gepäck begrenzt sich also hauptsächlich auf Wasser, Regenschutz und Jause für alle Beteiligten. Ob dazu wirklich große Ziegen notwendig wären, oder ich auch kleine Lasten auf Zwergziegen packen könnte, wäre eine meiner ersten Fragen. Hat jemand Erfahrung mit Zwergziegen als Packtiere? Welche Gewichte und Strecken sind da vorstellbar, und (wo) gibt es passendes Zubehör oder müsste man selber basteln?

      2. Transport: Am liebsten wäre mir, Zwergziegen in Hundeboxen im PKW zu transportieren. Bei großen Ziegen stelle ich mir das schwieriger vor, aber auch da wäre mir ein adaptierter VW-Bus oder Caddy lieber als ein Anhänger. Kennst sich jemand mit den Bestimmungen diesbezüglich für Österreich aus? In erster Linie geht es natürlich um dringend notwendige Transporte beim Kauf oder zum Tierarzt, aber es wäre natürlich auch schön, wenn man zu Wandertouren auch mal weg vom Stall fahren könnte und nicht immer in der eigenen Nachbarschaft herumspaziert.

      3. Hunde: welche Erfahrungen habt ihr mit Hundebegegnungen unterwegs? Die Gewöhnung an meine eigene, sehr passive und sicher deutlich unterlegene Dackelin stelle ich mir machbar vor, da sie sehr ruhig ist und sicher nicht aktiv auf die Ziegen zu geht sondern mit Abstand mitläuft (das kennt sie von meinem Pflegepony). Sorge machen mir fremde Hunde, die angelockt durch die Ziegen oder den Dackel auf uns zu preschen - da wird sicher nicht mehr Rücksicht genommen, als ich es von meinen oft schwierigen, aggressiven oder traumatisierten Pflege- und Trainingshunden kenne, und die Ziegenwandertour soll ja kein Spießrutenlauf werden. Wehren sich die Ziegen selbst, nehmt ihr einen Wanderstock mit, oder ist das meist garkein Thema?

      4. Halfter, Halsband, Brustgeschirr? Was sind eure Erfahrungen, was nutzt ihr am liebsten und warum/warum nicht?

      5. Durchqueeren von Almen/Weiden, zB bei Bergtouren... ist bei uns bei Bergtouren immer wieder der Fall, ist das mit Ziegen möglich sowohl vom Einverständnis der Landwirte her als auch von Risiken beim Kontakt zum Vieh? Kühe sind ja bisweilen auch neugierig, und ähnlich wie beim wandern mit Hund hätte ich vom Bauchgefühl dann die Ziegen auch angeleint, aber Parasiten/Krankheitsübertragung wenn sie auf fremde Weiden kötteln, könnte ja trotzdem von den Landwirten problematisch gesehen werden.

      Danke vorab für eure Antworten!

      Edit: zum Thema "Transport": nach Durchsicht der Tiertransportvorschirften für Ö. interpretiere ich den Satz "Die Verordnung gilt nicht für den Transport von Tieren, der nicht in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Tätigkeit durchgeführt wird" so, dass ich für Wanderungen oder Spaziergänge meine Ziegen auch in einer Hundebox oder mit Hundegitter im PKW auch über längere Strecken befördern dürfte. Wenn ich jedoch zB. geführte Ziegenwanderungen anbieten würde, falle ich unter die Transportvorschriften und brauche Transportpapiere sowie ggf. die passende Schulung - wobei ZZ trotzdem in einer Hundebox fahren dürften, sofern Platz und Sicherheit gegeben sind.
      Liebe Grüße aus Wien,

      Lisa & Elsa

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Concinnity ()

    • Toshihikokoga schrieb:

      Solltest du für deine außerlandwirtschaftliche Dienstleistung Geld bekommen handelt es sich um einen gewerblichen Nutztiertransport - viel Spaß bei einer Kontrolle

      Wenn ich die EU-Richtlinie und unsere Bestimmungen für Ö richtig interpretiere, dann betrifft mich das nicht, solange ich mit meinen privat gehaltenen Hobby-Ziegen am Wochenende eine Wanderung in den Bergen mache - auch, wenn ich dazu weiter als 65km vom Stall weg fahre.

      In dem Moment, wo ich zB bezahlte, geführte Ziegentrekkings anbieten würde, falle ich natürlich unter die geltenden Bestimmungen, aber davon ist ja nicht die Rede. Selbst eine vielleicht irgendwann mal geplante tiergestützte Intervention wäre nicht entgeltlich, ergo mein "Privatvergnügen".
      Liebe Grüße aus Wien,

      Lisa & Elsa
    • Wir gehen mit unseren Zwergziegen regelmäßig spazieren, als Packtiere nutzen wir sie aber nicht. Touren von 2 bis max 3 Stunden gehen noch recht gut, aber in gemütlichem Tempo und immer wieder kleineren Pausen. Und immer auch abhängig von der Witterung und vom Geländeverlauf. Kälte macht ihnen weniger aus, die Gefahr ist eher Überhitzung - Belastung bei warmem Wetter vertragen sie nicht so gut. Und nass zu werden können sie gar nicht ausstehen. Wenn Regen aufziehen könnte, gehen wir erst gar nicht los, und als wir mal einen niedrigen Bach durchwaten mussten, durften wir die Ziegen rübertragen, weil sie nur lauthals nach uns schreiend am Ufer hin- und hergerannt sind und keinen Fuss ins Wasser gesetzt haben :rolleyes:
      Mit entsprechendem Training gingen vielleicht auch längere Strecken, da müsste man sich denke ich langsam rantasten, und auch größeren Pausen einplanen, damit die Ziegen ruhen und wiederkäuen können.

      Einen Trainingsplan für ausgewachsene Großziegen findest Du hier: packziegen.de/index.php/packziegen/trainingsplan
      Für Zwergziegen eignet sich dieses Pensum aber sicher nicht...

      Wir haben 4 Zwerge (Kastrate). Wenn wir direkt vom Haus weggehen und mein Mann dabei ist, dürfen alle vier mit. Wenn einer von uns allein geht, nur jeweils zwei Ziegen. Manchmal packen wir sie auch ins Auto und machen Ausflüge in die Umgebung - das aber auch nur mit zweien. Zwei passen in unserem Auto in den Kofferraum, der ist mit einem stabilen, fest montierten Trenngitter gesichert. Für 30 bis 45 Minuten Fahrt klappt das gut, mehr wollen wir ihnen nicht zumuten. Dann werden sie auch unruhig, das wird ihnen dann doch zu eng mit der Zeit, so dicht aufeinander, und sie fangen an zu kabbeln. Da wären dann wahrscheinlich separate Boxen besser, aber zwei Boxen bekommen wir nicht rein.

      Wir nutzen Hundehalsbänder und -leinen, die gibt es ja in allen möglichen Größen, Längen und Materialien. Wenn wir zu zweit mit zwei Ziegen gehen, nehmen wir 'normale' Leinen. Wenn wir zu zweit mit vier Ziegen unterwegs sind, oder einer alleine mit zwei Ziegen, kommen die 'Y-Leinen' zum Einsatz.
      Halfter für Zwergziegen zu finden wird vermutlich schwierig, da wird man eher selber was basteln oder nach Maß anfertigen lassen müssen.
      Wenn wir weg sind von den Straßen, lassen wir die Ziegen frei mitlaufen - setzt natürlich entsprechende Zutraulichkeit und Bindung voraus. Und trotzdem ständige Aufmerksamkeit, damit sie nicht doch mal vor ein Fahrrad springen, oder irgendwas fressen, was ihnen nicht gut tut. Auf den Instinkt können wir uns bei unseren Zwergen leider nicht verlassen - auf Herbstzeitlose z.B. stürzen sie sich regelrecht.

      Hundebegegnungen sind bei unserer Bande etwas kritisch... allerdings eher für die Hunde als für die Ziegen. Unser 'Chefzwerg' kann keine Hunde leiden, er geht auf sie los, wenn sie ihm zu nahe kommen. Und seine drei Kumpels haben sich das inzwischen abgeschaut. Wir haben keinen eigenen Hund, aber mehrere im Familien- und Freundeskreis, von Westentaschenformat bis Kälbergröße, mit sehr unterschiedlichem Temperament. Die haben alle auf mehr oder weniger schmerzhafte Weise gelernt, einen weiten Bogen um die Ziegen zu machen. Wie auch unsere und sämtliche Nachbarskatzen, die hat er leider genauso auf dem Kieker.
      Aber es gibt sicher auch etliche Ziegen, die vor einem Hund eher flüchten als ihn angreifen würden... da muss wohl jeder seine eigenen Erfahrungen machen und seine Tiere kennen- und einschätzen lernen.
      Dass sich ein Hund kläffend auf die Ziegen stürzt, haben wir bislang glücklicherweise noch nicht erlebt. Die meisten Hunde reagieren eher etwas irritiert, wissen die Ziegen nicht so recht einzuordnen, und nähern sich vorsichtig. Aber man muss natürlich auch darauf gefasst sein, auf einen aggressiven Hund zu treffen. Locker nehmen wir solche Begegnungen nie, und sind immer bereit einzugreifen - sei es die Ziegen festzuhalten oder den Hund abzuwehren. Ein Wanderstock kann da tatsächlich gute Dienste leisten. Andererseits ist natürlich auch wichtig, dass man selbst in solchen Situationen möglichst Gelassenheit zeigt, die Tiere reagieren ja auch auf unsere Stimmung und Körperhaltung und orientieren sich an uns. Aber ich schätze mal, mit Deiner Hundeerfahrung bist Du da schon gut gerüstet.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Nadua ()

    • Hallo,

      unsere Zwergziegen können bedingt durch die kurzen Beinchen natürlich nicht so Strecke machen, wie die größeren Ziegen.
      Verdauungspausen zum Wiederkäuen müssen immer miteingeplant werden.

      Das Wiederkäuen fängt ca. 30 bis 60 Minuten nach der Futteraufnahme an und verteilt sich über 24 Stunden (also Tag und Nacht) auf mehrere Zeitabschnitte. Dieser Verdauungsprozess läuft in zwei Phasen ab. Zuerst nimmt der Pansen das grob zerkaute Futter auf und Mikroorganismen bereiten unverdauliche Zellulose des Futters zu Eiweiß auf. Danach wird das Futter über den Netzmagen in das Maul hochgewürgt und nochmals gründlich durchgekaut, bevor der zerkleinerte Futterbrei den Blättermagen erreicht. Dort wird er wiederholt weiterverdaut und ausgepresst. Am Ende wird das Futter in den Labmagen befördert, welcher dem Magen eines Nichtwiederkäuers gleicht.

      Ziegen sollten mindestens zweimal am Tag Futter bekommen. Beim Fressen, bzw. selektieren benötigen sie Zeit, die ihnen, ebenso wie in den Ruhephasen für das Wiederzukäuen, gewährt werden muss.

      Ziegen verbringen daher mehrere Stunden täglich damit Futter aufzunehmen und sie brauchen in etwa die gleiche Zeit die Nahrung im Ruhemodus auch wiederzukäuen.
      Im Gehen mag eine Ziegen nicht wiederkäuen. Dafür sucht sie sich lieber eine ruhigere Position. Sie steht oder liegt, hat die Augen geöffnet und die Ohren stehen entspannt vom Kopf ab. In regelmäßigen Abständen wirkt sie den vorverdauten Brei hoch und zermalmt diese Portion zwischen den Backenzähnen.
      Ich kenne Halter, die ihre Ziegen soweit trainiert haben, dass sie auch im Gehen wiederkäuen, aber ich strebe das mit meinen Ziegen nicht an.

      Wir transportieren unsere Ziegen je nach Länge der Strecke und Menge der Tiere, die wir mitnehmen, entweder frei im Transporter (mit Trennwand zum Fahrer) oder im Pferdeanhänger. Beide Bereiche sind kameraüberwacht, aber in der Regel legen sich die Ziegen sofort hin, wenn der Motor angeht, bzw. sich das Fahrzeug in Bewegung setzt. Da sie entspannt beim Fahren sind, machen wir auch weitere Ausflüge, die zum Teil einige Autostunden betragen.

      Da wir selber Hunde haben, reagieren unsere Ziegen wohl gelassener, wie andere Ziegen, auf diese Prädatoren. Dennoch entscheidet eine Ziege sich natürlich in ihrer Reaktion auch danach, wie der fremde Hunde sich gibt, ob sie ängstlich Schutz bei uns Menschen sucht, oder eher neugierig auf den Hund zugeht.
      Damit auf beiden Seiten nichts passiert, nehmen wir bei Hundebegnungen unsere Ziegen immer an die Leine, oder halten sie am Halsband fest, bis der Hund wieder weg ist. Ruhe dabei auszustrahlen ist das A und O. Ich bitte auch immer die Hundehalter, ihren Hund beim Vorbeigehen zu fixieren und das klappt in der Regel sehr gut. Kommunikation ist hier alles :-).

      Wir benutzen Halsband und Leine - manchmal auch eine Flexileine. Halfter haben wir auch - Lamahalfter passen hier ganz gut - doch das war nur beim anfänglichen Training eines sehr großen und schreckhaften Bocks. Inzwischen geht er prima mit Halsband. Dort wo Verkehr herrscht, werden die Ziegen angeleint und dort wo Natur pur ist, laufen die Ziegen frei mit.
      Brustgeschirr hatten wir mal ins Auge gefasst, aber man hat zu wenig Einwirkung auf die Tiere. Ferner verheddert sich die Leine schneller um die Hörner, wenn man mit Brustgeschirr unterwegs ist. Außerdem muss man ein Brustegschirrmodell wählen, welches man NICHT über den Kopf streifen muss, denn die Hörner, die stetig wachsen, machen einen irgendwann einen Strich durch die Rechnung.

      Zu deinem letzten Punkt kann ich leider nichts beitragen, denn wir durchqueren keine Almen oder Weiden, wo andere Tiere (Kühe) leben.
      Schönen Gruß aus der belgischen Eifel
      Judith

      Für mich ist das Leben eines Lamms nicht weniger wertvoll, als das Leben eines Menschen. (Mahatma Gandhi)

      Caprino Seminare & Vorträge
      www.ziegenworkshop.com
    • Bezüglich den Bauern... ich wohne da wo manche ein paar 100m auf die Alp gehen. Je nach Saison und wo die Kühe sind (Heimbetrieb, „Mittelweide“, Alp) wähle ich unsere Wanderroute. Es gibt Gebiete da sind die Kühe frei, anderen Orten sind sie eingezäunt. Im Frühen Frühling und im späteren Herbst geh ich auch mal querfeld/querberg ein. Ansonsten halte ich mich an die Wanderwege die oft auch durch Kuhweiden führen. Es hat zwei Bauern die haben auch Ziegen. Da frage ich vorher oder gehe nach Möglichkeit gar nicht erst dort durch.

      Ziegen fressen ja hauptsächlich Pflanzen die die Kühe verschmähen, daher haben die Bauern bei uns nichts dagegen wenn wir unterwegs sind.

      Immer besser einmal zuviel fragen als zuwenig