Stöckchenmethode

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    • Stöckchenmethode

      Hallo Zusammen,

      wir sind kurz davor zum ersten mal die sogenannte, anscheinend sehr alte, immer wieder hochgelobte, tierfreundliche Stöckchenmethode auszuprobieren. Meine Anfrage geht an diejenigen von euch, die Erfahrungen damit haben. Eigentlich ist alles ziemlich selbsterklärend, aber dennoch:

      1. Gibt es irgendetwas das wir beachten sollen?

      2. Gibt es Holzarten, die sich besonders eignen?

      3. Wie lange habt ihr die Stöckchen angelassen? Ist teilweises Absetzen (also z.B. über Nacht) auch machbar?

      4. Hätte jemand ein Foto von der Bindetechnik?

      5. Weiß jemand mehr über Geschichtliches/Kulturelles? Wer hat das so gemacht? Wer macht das noch heute so?

      Ich bin gespannt wie viele von euch diese Methode kennen und sich damit auskennen. Wir nehmen unsere Ziegen mit auf die Alm und wollen diesmal die Kitze dabeihaben, aber trotzdem käsen. Wir können auch damit leben, wenn wir dieses Mal etwas weniger Milch haben wie sonst. Ich muss sagen dass der Tag der Trennung für mich als Halterin immer ein sehr, sehr schwieriger war (vor allem seitdem ich selber Kinder habe). Dass diese Art des 'Abstillens' die Kitze nicht aus dem Herdenverbund reißt, sie trotzdem bei den Müttern bleiben können, und vielleicht sogar noch ab und an doch trinken können sind für mich Gründe genug, sie auszuprobieren.

      Viele Grüße, Lena
    • Hallo Irene,

      ja gern :)

      Bei der Stöckchenmethode (vielleicht heißt sie auch bei anderen anders) wird ein kleines, schmales Stöckchen mittels einer Art Halfter im Mund der Tiere befestigt, ein bisschen wie bei einer Trense beim Pferd. Die Tiere können auf diese Weise noch fressen, werden nicht abrupt von ihren Müttern getrennt und aus dem Herdenverband gerissen. Sie verbleiben ganz normal in der Herde, bei ihren Müttern, können fressen, aber wegen des Stöckchens das Saugvakuum nicht mehr bilden. Nach zehn bis vierzehn Tagen sind sie - angeblich - komplett entwöhnt und man kann die Stöckchen wieder entfernen. In der Zeit muss natürlich immer kontrolliert werden, damit die Stöckchen nicht scheuern oder verrutschen.

      Die Kitze sollen mindestens zehn Wochen alt sein, man verwendet wohl entrindete Eiche (allerdings habe ich hier auch gelesen, dass Linde empfohlen wird), mit ca. 0.6 cm Durchmesser, 5 bis maximal 8 cm Länge - an die Enden werden Seile gebunden, die kreuzen sich über der Stirn und werden an den Hörnern befestigt.

      Ich bin über den Selbstversorgerblog "Wurzelwerk" auf diese Methode aufmerksam geworden.

      Als Hobbyhalterin muss ich ja nicht Unmengen an Milch liefern und ich kann andere Standards befolgen als es rein wirtschaftlich handelnde Betriebe müsse (wobei die Milchmenge ja die gleiche bliebe - das wirtschaftliche ist also vielleicht kein gutes Argument gegen diese Methode). Laut Wurzelwerk hat die "Beratung Artgerechte Tierhaltung e.V." mit einem Forschungsprojekt bestätigt, dass diese Methode sehr zukunftsweisend ist für eine artgerechte Milchziegenhaltung. Angeblich erspart diese Methode den Tieren viel Stress und den Haltern viel Arbeit.

      Naja, Grund genug für uns, dass wir es versuchen. Mich hatte tatsächlich nur interessiert, inwieweit andere Ziegenbesitzer diese Methode schon anwenden und ein paar Tipps für Neulinge sammeln.

      Kennst du diese Methode unter einem anderen Namen?

      Viele Grüße, Lena
    • Hier im Forum ist auch einmal am Rande darüber diskutiert worden:

      Erstlingsziegen mit Kitz auf die Alm?

      Hier schreibt "Imme":

      "Hallo Martina, es gibt noch die ganz alte Stöckchen -Methode da nimmt man einen kleinen Stock am besten Linde macht zwei Kerben eine links und eine rechts nimmt nun einen Faden und bindet ihn an die eine Seite des Stockes. Den Faden führt man um die Hörner und bindet ihn an der anderen Seite des Stöckchens fest. So kann das Ziegenlamm fressen hat die Bindung zur Mutter aber kann nicht mehr saugen, da der Unterdruck nicht mehr mit dem Maul aufgebaut werden kann. Pass aber bitte auf die Mundwinkel auf, dass sie heilt bleiben also ganz locker das ganze binden!!! Lg Imme"

      Und später:

      "nun die Ziege hat im Maul die unteren Schneidezähne und oben die Kauplatte, und vor dem Kiefer geht der Knochen wie in einem Halbkreis oben und unten auseinander. Genau diese Stelle nutzt man zum Beispiel für die Eingabe der Wurmkur. Und hier legt man das kleien Stöckchen ein das Maul kann sich schließen uns das Kitz kann bei der Mutter bleiben. Wenn man nur einmal melken will legt man es nur für die Nacht an ( wie beim Menschen eine Zahnspange). So bleibt die Herde zusammen und ich glaube, wenn man schon die Milch dem Kitz wegnimmt dann doch nicht auch noch gleichzeitig das Muttertier. Die Mutter Tochter Bindung ist sehr stark bei Ziegen und ich finde wir Menschen müssen achtsam sein, dass wir diese nicht zerstören. Meine Gedanken am Morgen Imme"
    • Ich würde die Kitze über Nacht in einem Pferch abtrennen und am Morgen dann die Ziegen melken bevor du die Kleinen wieder dazu lässt.
      Ich kann mir irgendwie nicht gut vorstellen, dass die Kitze genug Futter aufnehmen mit diesem Stock. Wie sollen sie auch wenn er wie eine Trense im Mundwinkel „klemmt“. Wiederkäuen können sie auch nicht so.
      Die Kleinen sind gerne zusammen und auf einem „Haufen“ so wie ich das beobachte, meine verziehen sich von selber gemeinsam, ohne Mama, in eine kuschlige Ecke.